Anamnese-Leitfaden: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Anamnese-Leitfaden''' | Der '''Anamnese-Leitfaden''' strukturiert die Erfassung und Analyse von [[Problemverhalten]] von der ersten Triage bis zur Ableitung eines priorisierten [[Management]]- und Trainingsplans. Im Mittelpunkt stehen beobachtbare Problembeschreibungen, Kontextfragen, Chronologie und funktionale Analyse. | ||
== Verhaltensanamnese & Problemanalyse (Master-Leitfaden) == | == Verhaltensanamnese & Problemanalyse (Master-Leitfaden) == | ||
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;Ziel | ;Ziel | ||
* Systematisches Erfassen von Problemverhalten + Priorisierung + erster wirksamer Plan. | * Systematisches Erfassen von Problemverhalten + Priorisierung + erster wirksamer Plan. | ||
* Output: 1 Hauptproblem + 0–1 Nebenproblem, jeweils mit Management (sofort) + Training (Plan) + Hausaufgabe. | * Output: 1 Hauptproblem + 0–1 Nebenproblem, jeweils mit Management (sofort) + [[Training]] (Plan) + Hausaufgabe. | ||
;Prinzipien (für die Gesprächsführung) | ;Prinzipien (für die [[Gesprächsführung]]) | ||
* Mit dem Problem anfangen, dann Kontext/W-Fragen, dann Muster (Chronologie/ABC). | * Mit dem Problem anfangen, dann Kontext/W-Fragen, dann Muster (Chronologie/ABC). | ||
* Nicht moralisch bewerten; Verhalten ist für den Hund funktional (Symptom – Ursachen/Auslöser klären). | * Nicht moralisch bewerten; [[Verhalten]] ist für den Hund funktional (Symptom – Ursachen/Auslöser klären). | ||
* Erst Sicherheit/Management, dann Training. Ernstfall und Training sauber trennen. | * Erst Sicherheit/Management, dann Training. Ernstfall und Training sauber trennen. | ||
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* Sicherheitsrelevant? (Beißvorfall/Beinahe-Biss/Kind im Haushalt) | * Sicherheitsrelevant? (Beißvorfall/Beinahe-Biss/Kind im Haushalt) | ||
* Kann der Halter den Hund sicher kontrollieren? (Leine, Handling, Kraft) | * Kann der Halter den Hund sicher kontrollieren? (Leine, Handling, Kraft) | ||
* Verdacht auf Schmerz/medizinische Themen? (plötzlich, Berührungsempfindlichkeit, Schonung) | * Verdacht auf [[Schmerz]]/medizinische Themen? (plötzlich, Berührungsempfindlichkeit, Schonung) | ||
;1.2 Mitbringen / Vorbereiten (Checkliste) | ;1.2 Mitbringen / Vorbereiten (Checkliste) | ||
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* Herkunft (Züchter/Tierschutz/privat): | * Herkunft (Züchter/Tierschutz/privat): | ||
* Aufzucht/Sozialisation/Habituation (kurz): | * Aufzucht/Sozialisation/Habituation (kurz): | ||
* Gesundheit (Diagnosen, Schmerzverdacht, Medikation, letzter TA-Check): | * [[Gesundheit]] (Diagnosen, Schmerzverdacht, Medikation, letzter TA-Check): | ||
* Bisheriges Training (kurz, auch im Bezug aufs Problem): | * Bisheriges Training (kurz, auch im Bezug aufs Problem): | ||
;Halter/Haushalt/Alltag | ;Halter/Haushalt/Alltag | ||
* Haushalt (Erwachsene/Kinder/weitere Tiere): | * Haushalt (Erwachsene/Kinder/weitere Tiere): | ||
* Tagesroutine (Futter, Gassi, Ruhe, Beschäftigung, Sozialkontakt): | * Tagesroutine (Futter, Gassi, Ruhe, [[Beschäftigung]], Sozialkontakt): | ||
* Wohnumfeld (Stadt/Land, Treppenhaus, Nachbarn, Garten): | * Wohnumfeld (Stadt/Land, Treppenhaus, Nachbarn, Garten): | ||
* Management aktuell (Trennung, Barrieren, Leinenhandling, Maulkorb ja/nein): | * Management aktuell ([[Trennung]], Barrieren, Leinenhandling, Maulkorb ja/nein): | ||
* Alleinbleiben (Screening): Häufigkeit/Woche __ ; max. Dauer __ ; auffällig (ja/nein) __ | * Alleinbleiben (Screening): Häufigkeit/Woche __ ; max. Dauer __ ; auffällig (ja/nein) __ | ||
* Ziele/Wünsche: Was wäre in 4 Wochen ein sichtbarer Fortschritt? | * Ziele/Wünsche: Was wäre in 4 Wochen ein sichtbarer Fortschritt? | ||
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=== 2.4 Problemanalyse-Standard (W-Fragen + Chronologie, 15–20 Min) === | === 2.4 Problemanalyse-Standard (W-Fragen + Chronologie, 15–20 Min) === | ||
;Problem definieren (beobachtbar, nicht etikettieren) | ;Problem definieren (beobachtbar, nicht etikettieren) | ||
* Was genau macht der Hund? (Verhalten, Körperzeichen, Laut, Bewegung) | * Was genau macht der Hund? (Verhalten, Körperzeichen, Laut, [[Bewegung als Verhaltenstopographie|Bewegung]]) | ||
* Seit wann? Wie hat es begonnen? (1. Auftreten) | * Seit wann? Wie hat es begonnen? (1. Auftreten) | ||
* Häufigkeit/Intensität (pro Woche; 0–4) | * Häufigkeit/Intensität (pro Woche; 0–4) | ||
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=== 2.5 ABC-Protokoll (funktionale Analyse) === | === 2.5 ABC-Protokoll (funktionale Analyse) === | ||
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! A – Antezedens/Trigger (vorher) !! B – Verhalten (genau) !! C – Konsequenz (danach) !! Notizen (Distanz, Dauer, Steuerbarkeit) | ! A – [[Antezedens]]/Trigger (vorher) !! B – Verhalten (genau) !! C – Konsequenz (danach) !! Notizen (Distanz, Dauer, Steuerbarkeit) | ||
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;3 Kernfragen (immer gleich) | ;3 Kernfragen (immer gleich) | ||
# Kontext: Was passiert direkt davor – ist es orts-/personen-/objektgebunden? | # Kontext: Was passiert direkt davor – ist es orts-/personen-/objektgebunden? | ||
# Lernlogik: Was passiert danach typischerweise (Distanz, Aufmerksamkeit, Ende der Situation)? | # Lernlogik: Was passiert danach typischerweise (Distanz, [[Aufmerksamkeit]], Ende der Situation)? | ||
# Steuerbarkeit: Kann der Hund Futter nehmen/auf Signal reagieren? (ja/nein) | # Steuerbarkeit: Kann der Hund Futter nehmen/auf Signal reagieren? (ja/nein) | ||
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! Item !! Score (0–4/N/A) !! Notiz | ! Item !! Score (0–4/N/A) !! Notiz | ||
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| Rückruf unter Ablenkung || || | | [[Rückruftraining|Rückruf]] unter Ablenkung || || | ||
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| Sitz/Grundsignal sofort || || | | [[Sitz]]/Grundsignal sofort || || | ||
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| Bleib/Impulskontrolle || || | | Bleib/Impulskontrolle || || | ||
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| Gewitter/Feuerwerk || || | | Gewitter/Feuerwerk || || | ||
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| Winseln || || | | Winseln || || | ||
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| Bellen/Heulen || || | | [[Bellen]]/Heulen || || | ||
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| Zerstören/Kratzen || || | | Zerstören/Kratzen || || | ||
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| Klingel || || | | Klingel || || | ||
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| Besucher || || | | Besucher || || | ||
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# Schwelle: Ab welcher Distanz/Intensität kippt es? | # Schwelle: Ab welcher Distanz/Intensität kippt es? | ||
# Körperzeichen: Was siehst du konkret (Rückzug/Erstarren/Hecheln/Zittern)? | # Körperzeichen: Was siehst du konkret (Rückzug/Erstarren/Hecheln/Zittern)? | ||
# Generalisierung: Nur dort/bei dieser Person/bei diesem Objekt oder überall? | # [[Generalisierung]]: Nur dort/bei dieser Person/bei diesem Objekt oder überall? | ||
# Erholung: Wie schnell kommt er wieder runter (Minuten)? Was hilft zuverlässig? | # Erholung: Wie schnell kommt er wieder runter (Minuten)? Was hilft zuverlässig? | ||
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=== 5.5 Erregbarkeit/Frust/Impulskontrolle === | === 5.5 Erregbarkeit/Frust/Impulskontrolle === | ||
# Trigger: Welche 1–2 Situationen sind die stärksten? | # Trigger: Welche 1–2 Situationen sind die stärksten? | ||
# Routine: Welche Rituale schieben Erregung hoch? | # Routine: Welche [[Rituale]] schieben Erregung hoch? | ||
# Runterfahren: Wie lange bis Ruhe möglich ist? Was funktioniert als Bremse? | # Runterfahren: Wie lange bis Ruhe möglich ist? Was funktioniert als Bremse? | ||
# Frust-Marker: Passiert es v. a. bei Blockade („darf nicht hin“) oder auch ohne? | # [[Frustration|Frust]]-Marker: Passiert es v. a. bei Blockade („darf nicht hin“) oder auch ohne? | ||
# Konsequenz: Was erreicht der Hund dadurch (Tür geht auf, Aufmerksamkeit, Bewegung)? | # Konsequenz: Was erreicht der Hund dadurch (Tür geht auf, Aufmerksamkeit, Bewegung)? | ||
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# Distanz: Ab wann geht es los? | # Distanz: Ab wann geht es los? | ||
# Kette: Suchen → Fixieren → Anziehen → Ausbruch? | # Kette: Suchen → Fixieren → Anziehen → Ausbruch? | ||
# Rückruf/Alternativen: Was ist bei niedriger Ablenkung möglich? | # [[Rückruftraining|Rückruf]]/Alternativen: Was ist bei niedriger Ablenkung möglich? | ||
# Sicherung: Welche Leinen-/Geschirr-Lösung ist aktuell stabil? | # Sicherung: Welche Leinen-/Geschirr-Lösung ist aktuell stabil? | ||
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* Management = Problem-/Situationsvermeidung; nie 100% möglich, „heilt“ nicht allein, liefert aber Grundlage für Training. | * Management = Problem-/Situationsvermeidung; nie 100% möglich, „heilt“ nicht allein, liefert aber Grundlage für Training. | ||
* Auslöser vermeiden, Ressourcen kontrolliert durch den Menschen, Krisen zügig verlassen/beenden. | * Auslöser vermeiden, Ressourcen kontrolliert durch den Menschen, Krisen zügig verlassen/beenden. | ||
* Hilfsmittel geplant einsetzen und ggf. vorher auftrainieren. | * [[Hilfsmittel]] geplant einsetzen und ggf. vorher auftrainieren. | ||
* Vorsicht bei stark erregenden Belohnungen. | * Vorsicht bei stark erregenden Belohnungen. | ||
;Hilfsmittel (Auswahl) | ;Hilfsmittel (Auswahl) | ||
* Liegeplatz/Sicherheitszone: kein Strafen am Platz; dort passieren angenehme Dinge; Liegeplatztraining (ggf. 2 Phasen). | * Liegeplatz/Sicherheitszone: kein Strafen am [[Platz]]; dort passieren angenehme Dinge; Liegeplatztraining (ggf. 2 Phasen). | ||
* Box: nur nach Aufbau; Größe/Material passend; Cave: nicht als „Dauerverwahrung“ missbrauchen. | * Box: nur nach Aufbau; Größe/Material passend; Cave: nicht als „Dauerverwahrung“ missbrauchen. | ||
* Maulkorb: Schutz von Menschen/Tieren; Cave: Hund nicht unbeaufsichtigt „einfach so“ damit laufen lassen; auch mit MK kann Schaden entstehen. | * Maulkorb: Schutz von Menschen/Tieren; Cave: Hund nicht unbeaufsichtigt „einfach so“ damit laufen lassen; auch mit MK kann Schaden entstehen. | ||
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* Ruhe/Entspannung über klare Strukturen, Routine und Rituale (individuell zuschneiden). | * Ruhe/Entspannung über klare Strukturen, Routine und Rituale (individuell zuschneiden). | ||
* Rückzugs- und Ruhezonen einrichten und beachten. | * Rückzugs- und Ruhezonen einrichten und beachten. | ||
* Kommunikation strukturieren (klar, eindeutig, fair) – nicht „Dominanz“. | * [[Kommunikation]] strukturieren (klar, eindeutig, fair) – nicht „Dominanz“. | ||
;Cave | ;Cave | ||
* Keine Strafen/keine Bedrängung bei riskanten Fällen; Eskalationsrisiko im Blick. | * Keine Strafen/keine Bedrängung bei riskanten Fällen; Eskalationsrisiko im Blick. | ||
* Regeln in kleinen Schritten etablieren (Frustration nicht unnötig hochfahren). | * Regeln in kleinen Schritten etablieren ([[Frustration]] nicht unnötig hochfahren). | ||
== 8) Spezielles Training (Planung) == | == 8) Spezielles Training (Planung) == | ||
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;Methoden-Bibliothek (Auswahl) | ;Methoden-Bibliothek (Auswahl) | ||
* Habituation / Desensibilisierung (inkl. systematische Desensibilisierung) | * [[Habituation]] / [[Desensibilisierung]] (inkl. systematische Desensibilisierung) | ||
* Gegenkonditionierung (klassisch/operant) | * [[Gegenkonditionierung]] (klassisch/operant) | ||
* Alternativverhalten (differenziell verstärken), Shaping, ggf. Locken | * [[Alternativverhalten]] (differenziell verstärken), [[Shaping]], ggf. Locken | ||
* Kerneigenschaften: kurze Sequenzen, angemessene Pausen, klare Information, positive Verstärkung. | * Kerneigenschaften: kurze Sequenzen, angemessene Pausen, klare Information, [[positive Verstärkung]]. | ||
== 9) Desensibilisierung & Gegenkonditionierung (Kurzprotokoll-Vorlagen) == | == 9) Desensibilisierung & Gegenkonditionierung (Kurzprotokoll-Vorlagen) == | ||
=== 9.1 Reizkontrolle (Gate) === | === 9.1 Reizkontrolle (Gate) === | ||
* Auslösender Reiz muss 100% kontrollierbar sein (Intensität, Distanz, Dauer). | * Auslösender [[Reiz]] muss 100% kontrollierbar sein (Intensität, Distanz, Dauer). | ||
=== 9.2 Desensibilisierung (Template) === | === 9.2 Desensibilisierung (Template) === | ||
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== 10) Unterbrechung von Verhalten (nur wenn nötig) == | == 10) Unterbrechung von Verhalten (nur wenn nötig) == | ||
;Neutraler Unterbrecher | ;[[Neutraler Unterbrecher]] | ||
* Neutral geben; danach gewünschtes Alternativverhalten auslösen + belohnen. | * Neutral geben; danach gewünschtes Alternativverhalten auslösen + belohnen. | ||
;Cave | ;Cave | ||
* Unterbrechung kann Stress/Frustration auslösen; Gefährdungspotential und Tierschutzrelevanz abwägen. | * Unterbrechung kann [[Stress]]/Frustration auslösen; Gefährdungspotential und Tierschutzrelevanz abwägen. | ||
* Wenn aktiv: Hausleine/Geschirrgriff nur emotionslos/neutral; ideal vortrainieren/ankündigen. | * Wenn aktiv: [[Hausleine]]/Geschirrgriff nur emotionslos/neutral; ideal vortrainieren/ankündigen. | ||
== 11) Beobachtung & Tests (Termin 2 / live) – nur wenn sicher == | == 11) Beobachtung & Tests (Termin 2 / live) – nur wenn sicher == | ||
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* Verlust/Angst vor Verlust einer Ressource | * Verlust/Angst vor Verlust einer Ressource | ||
* Frustrationsauslösender Kontext | * Frustrationsauslösender Kontext | ||
* Gelernte Signale (z.B. Besitzerverhalten) | * Gelernte [[Signale]] (z.B. Besitzerverhalten) | ||
;Innerhalb des Haushalts (Hund–Mensch / Hund–Hund) | ;Innerhalb des Haushalts (Hund–Mensch / Hund–Hund) | ||
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| Steuerbarkeit (Futter/Signal: ja/nein) || || || Notiz || wöchentlich | | Steuerbarkeit (Futter/Signal: ja/nein) || || || Notiz || wöchentlich | ||
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* Nächster Termin: Datum __ ; Fokus __ ; Stop-Kriterien __ | * Nächster Termin: Datum __ ; [[Fokus im Hundetraining|Fokus]] __ ; Stop-Kriterien __ | ||
[[Kategorie:Verhaltensprobleme & Beratung]] | [[Kategorie:Verhaltensprobleme & Beratung]] | ||
Aktuelle Version vom 17. August 2026, 21:52 Uhr
Der Anamnese-Leitfaden strukturiert die Erfassung und Analyse von Problemverhalten von der ersten Triage bis zur Ableitung eines priorisierten Management- und Trainingsplans. Im Mittelpunkt stehen beobachtbare Problembeschreibungen, Kontextfragen, Chronologie und funktionale Analyse.
Verhaltensanamnese & Problemanalyse (Master-Leitfaden)
0) Ziel & Prinzipien
- Ziel
- Systematisches Erfassen von Problemverhalten + Priorisierung + erster wirksamer Plan.
- Output: 1 Hauptproblem + 0–1 Nebenproblem, jeweils mit Management (sofort) + Training (Plan) + Hausaufgabe.
- Prinzipien (für die Gesprächsführung)
- Mit dem Problem anfangen, dann Kontext/W-Fragen, dann Muster (Chronologie/ABC).
- Nicht moralisch bewerten; Verhalten ist für den Hund funktional (Symptom – Ursachen/Auslöser klären).
- Erst Sicherheit/Management, dann Training. Ernstfall und Training sauber trennen.
1) Vorab-Screening (Telefon/Online, 10–15 Min)
- 1.1 Kurzcheck
- Was stört am meisten? (1 Satz, beobachtbar)
- Seit wann? Verlauf (besser/schlechter/Sprünge)?
- Häufigkeit pro Woche / Intensität (0–4)?
- Sicherheitsrelevant? (Beißvorfall/Beinahe-Biss/Kind im Haushalt)
- Kann der Halter den Hund sicher kontrollieren? (Leine, Handling, Kraft)
- Verdacht auf Schmerz/medizinische Themen? (plötzlich, Berührungsempfindlichkeit, Schonung)
- 1.2 Mitbringen / Vorbereiten (Checkliste)
- 1–3 kurze Videos (nur wenn sicher möglich)
- Liste: Top-5 Trigger/Situationen
- Equipment, das real genutzt wird (Geschirr/Leinen/Maulkorb falls vorhanden)
- Optional: Fragebogen (C-BARQ-Kurzscreening; siehe Abschnitt 4)
2) Termin 1 (ca. 60 Min) – Anamnese & Problemanalyse
| Zeit | Modul | Ergebnis |
|---|---|---|
| 5 Min | Einstieg & Skala | Rahmen, Ton, Vorgehen |
| 10 Min | Starterfragen + Triage | Kontext + Sicherheits-/Medizin-Gates |
| 25 Min | Problemanalyse (W-Fragen + Chronologie + ABC) | Muster + Hypothesen |
| 15 Min | Screening (Module nach Bedarf) | Clusterwahl (Haupt/Neben) |
| 5 Min | Abschluss | Plan + Hausaufgabe + nächster Termin |
2.1 Einstieg & Rahmen (5 Min)
- Satz (Beispiel): „Ich frage systematisch Situationen ab. Danach gehen wir nur bei den wichtigsten Punkten tiefer rein.“
- Skala für Häufigkeit/Intensität:
- 0 = nie
- 1 = selten
- 2 = manchmal
- 3 = häufig
- 4 = sehr häufig / (fast) immer
- N/A = nicht beobachtet / nicht anwendbar
2.2 Starterfragen (Stammdaten & Kontext, 10 Min)
- Hund
- Name:
- Alter / Geburtsdatum:
- Geschlecht / Kastrationsstatus:
- Rasse/Mix (falls bekannt):
- Seit wann im Haushalt:
- Herkunft (Züchter/Tierschutz/privat):
- Aufzucht/Sozialisation/Habituation (kurz):
- Gesundheit (Diagnosen, Schmerzverdacht, Medikation, letzter TA-Check):
- Bisheriges Training (kurz, auch im Bezug aufs Problem):
- Halter/Haushalt/Alltag
- Haushalt (Erwachsene/Kinder/weitere Tiere):
- Tagesroutine (Futter, Gassi, Ruhe, Beschäftigung, Sozialkontakt):
- Wohnumfeld (Stadt/Land, Treppenhaus, Nachbarn, Garten):
- Management aktuell (Trennung, Barrieren, Leinenhandling, Maulkorb ja/nein):
- Alleinbleiben (Screening): Häufigkeit/Woche __ ; max. Dauer __ ; auffällig (ja/nein) __
- Ziele/Wünsche: Was wäre in 4 Wochen ein sichtbarer Fortschritt?
2.3 Triage-Gates (2 Min)
- Sicherheits-Gate
- Beißvorfall/Verletzung? Kontext + aktuelle Gefahrenlage (Ja/Nein; Details, wenn Ja).
- Wenn Risiko hoch: zuerst Sicherheitsplan + Management, keine riskanten Tests.
- Medizin-Gate (ohne Diagnosestellung)
- Verdacht auf Schmerz/klinische Ursache? (plötzlicher Beginn, deutliche Verschlechterung, Handling-aversion, Schonung)
- Wenn plausibel: tierärztliche Abklärung anregen, Trainingsintensität anpassen.
2.4 Problemanalyse-Standard (W-Fragen + Chronologie, 15–20 Min)
- Problem definieren (beobachtbar, nicht etikettieren)
- Was genau macht der Hund? (Verhalten, Körperzeichen, Laut, Bewegung)
- Seit wann? Wie hat es begonnen? (1. Auftreten)
- Häufigkeit/Intensität (pro Woche; 0–4)
- Kontrollierbarkeit: Kann der Halter in der Situation sicher führen?
- W-Fragen (für jeden relevanten Vorfall)
- Wer? (Beteiligte: Mensch/Hund/Tier)
- Wo? (Ort, Raum, Leine/frei)
- Wann? (Tageszeit, vorherige Ereignisse)
- Wie? (Ablauf/Sequenz)
- Warum könnte es gerade jetzt „funktional“ sein? (was wird erreicht/endet?)
- Chronologie
- Bei mehreren Vorfällen: für jeden fragen und Reihenfolge/Entwicklung erstellen.
2.5 ABC-Protokoll (funktionale Analyse)
| A – Antezedens/Trigger (vorher) | B – Verhalten (genau) | C – Konsequenz (danach) | Notizen (Distanz, Dauer, Steuerbarkeit) |
|---|---|---|---|
- Notiere zusätzlich: Distanz/Schwelle (m), Erholungszeit (Min), Futterannahme/Ansprechbarkeit (ja/nein).
- Hypothesen nebeneinander notieren (mindestens 2), nicht „festnageln“.
3) Ausschlussverfahren / Hypothesen-Check (pro Top-Cluster 3–5 Min)
- Red Flags (sofort priorisieren)
- Plötzlicher Beginn ohne erkennbaren Auslöser
- Deutliche Verschlechterung in kurzer Zeit
- Schmerz-/Krankheitsverdacht
- Beißvorfall/Verletzung oder massive Beinahe-Situation
- Panik/Unkontrollierbarkeit
- 3 Kernfragen (immer gleich)
- Kontext: Was passiert direkt davor – ist es orts-/personen-/objektgebunden?
- Lernlogik: Was passiert danach typischerweise (Distanz, Aufmerksamkeit, Ende der Situation)?
- Steuerbarkeit: Kann der Hund Futter nehmen/auf Signal reagieren? (ja/nein)
- Mini-Entscheidung
- Sicherheit betroffen → Management zuerst (Distanz, Barrieren, klare Regeln, ggf. Maulkorbaufbau).
- Medizin plausibel → Abklärung anregen, Trainingsintensität bis dahin anpassen.
- Steuerbarkeit „nein“ → Reizstärke senken, Training unter Schwelle.
- Ritualisiert → Routine umbauen + alternative Verhaltenskette aufbauen.
4) Screening-Module (C-BARQ-basiert, als Gesprächs-Check)
Anwendung: Nur Module aktivieren, die zum Fall passen. Pro Item: 0–4 oder N/A + 1 Satz Notiz.
4.1 Training & Kooperation (aktiv/inaktiv)
| Item | Score (0–4/N/A) | Notiz |
|---|---|---|
| Rückruf unter Ablenkung | ||
| Sitz/Grundsignal sofort | ||
| Bleib/Impulskontrolle | ||
| Aufmerksamkeit trotz Ablenkung | ||
| Reaktion auf Korrektur/Abbruch (eskaliert?) | ||
| Ablenkbarkeit (Gerüche/Sicht/Sound) |
4.2 Aggression-Kontexte (aktiv/inaktiv)
| Kontext | Score (0–4/N/A) | Trigger/Ort/Distanz |
|---|---|---|
| Korrektur/Strafe durch Halter | ||
| Fremde Erwachsene (draußen) | ||
| Fremde Kinder (draußen) | ||
| Besucher/Personen im Haus | ||
| Tür/Klingel/Lieferdienste | ||
| Handling/Pflege (Pfoten, Bürsten, Halsband) | ||
| Ressourcen wegnehmen (Futter/Objekte) | ||
| Hund-Hund (draußen) | ||
| Hund-Hund (im Haushalt) |
4.3 Angst/Furcht/Unsicherheit (aktiv/inaktiv)
| Kontext | Score (0–4/N/A) | Trigger |
|---|---|---|
| Fremde Personen (Nähe/Berühren) | ||
| Plötzliche/laute Geräusche | ||
| Verkehr/Umweltreize | ||
| Ungewohnte Objekte/Situationen | ||
| Tierarzt/Behandlung | ||
| Gewitter/Feuerwerk | ||
| Hundebegegnungen (wenn „Angst“-typisch) |
4.4 Trennungsbezogenes Verhalten / Alleinbleiben (aktiv/inaktiv)
| Zeichen | Score (0–4/N/A) | ab wann? (Min) |
|---|---|---|
| Unruhe/Pacing | ||
| Winseln | ||
| Bellen/Heulen | ||
| Zerstören/Kratzen | ||
| Speicheln/Zittern | ||
| Appetitverlust |
4.5 Erregbarkeit/Übererregung (aktiv/inaktiv)
| Kontext | Score (0–4/N/A) | Notiz |
|---|---|---|
| Heimkommen von Menschen | ||
| Spielen | ||
| Klingel | ||
| Kurz vor Spaziergang/Autofahrt | ||
| Besucher | ||
| Schwer zu beruhigen (lange Erholung) |
4.6 Bindung & Aufmerksamkeit (aktiv/inaktiv)
| Zeichen | Score (0–4/N/A) | Notiz |
|---|---|---|
| Folgt im Haus (room to room) | ||
| Sitzt nah/auf Körperkontakt | ||
| Fordert Aufmerksamkeit (Anstupsen/Pfote) | ||
| Unruhe bei Zuwendung an andere |
4.7 Sonstiges (aktiv/inaktiv)
| Verhalten | Score (0–4/N/A) | Notiz |
|---|---|---|
| Jagd/Chasing (Wild/Katzen/Vögel etc.) | ||
| Leinenziehen | ||
| Ausbrechen/Entlaufen | ||
| Aufreiten | ||
| Unangemessenes Kauen | ||
| Markieren/Unterwürfigkeitsurin | ||
| Hyperaktiv/unruhig, schwer zu settlen |
5) Kernfragen je Problem-Cluster (nur für Haupt/Neben)
Auswahlregel: 1 Haupt-Cluster + 0–1 Nebenproblem. Pro Cluster 3–5 Minuten.
5.1 Angst/Unsicherheit
- Auslöser: Was passiert in den 10 Sekunden davor genau?
- Schwelle: Ab welcher Distanz/Intensität kippt es?
- Körperzeichen: Was siehst du konkret (Rückzug/Erstarren/Hecheln/Zittern)?
- Generalisierung: Nur dort/bei dieser Person/bei diesem Objekt oder überall?
- Erholung: Wie schnell kommt er wieder runter (Minuten)? Was hilft zuverlässig?
5.2 Aggression
- Kontext: Gegen wen / wo / wann (drinnen/draußen, eng/weit, Leine/frei)?
- Vorstufen: Was kommt vor der Eskalation (Fixieren, Steifheit, Knurren)?
- Funktion: Was endet dadurch typischerweise (Annäherung, Handling, Konflikt)?
- Eskalation: Wie schnell steigert es sich? Kontakt ja/nein?
- Sicherheit: Welche Sofortmaßnahme reduziert Risiko am stärksten (Distanz/Barriere/Maulkorbaufbau)?
5.3 Ressourcen
- Ressource: Was genau (Futter, Kauartikel, Spielzeug, Sofa, Mensch)?
- Betroffene: Wer ist Ziel/„Kontrahent“ (Haushalt, Kind, Besuch, Hund)?
- Annäherung: Was reicht (vorbeigehen, anschauen, anfassen, wegnehmen)?
- Warnsignale: Ab wann (Blocken, Steifheit, Knurren)?
- Management: Was wurde probiert, was hat eher verstärkt/entschärft?
5.4 Alleinbleiben
- Start: Ab wann nach dem Gehen beginnt es (Minuten)?
- Zeichen: Was genau (Laut, Unruhe, Zerstörung, Speicheln, Toilettieren)?
- Setup: Raum/Box/Gitter, Kauartikel, Musik, Kamera – was wurde getestet?
- Verlauf: Wird es während der Abwesenheit besser/schlechter?
- Häufigkeit: Wie oft pro Woche und wie lange (realistisch)?
5.5 Erregbarkeit/Frust/Impulskontrolle
- Trigger: Welche 1–2 Situationen sind die stärksten?
- Routine: Welche Rituale schieben Erregung hoch?
- Runterfahren: Wie lange bis Ruhe möglich ist? Was funktioniert als Bremse?
- Frust-Marker: Passiert es v. a. bei Blockade („darf nicht hin“) oder auch ohne?
- Konsequenz: Was erreicht der Hund dadurch (Tür geht auf, Aufmerksamkeit, Bewegung)?
5.6 Jagd/Chasing
- Reiztypen: Was triggert am stärksten (Geruch, Sicht, Bewegung)?
- Distanz: Ab wann geht es los?
- Kette: Suchen → Fixieren → Anziehen → Ausbruch?
- Rückruf/Alternativen: Was ist bei niedriger Ablenkung möglich?
- Sicherung: Welche Leinen-/Geschirr-Lösung ist aktuell stabil?
6) Management (Sofortmaßnahmen – Basis für Training)
- Grundsatz
- Management = Problem-/Situationsvermeidung; nie 100% möglich, „heilt“ nicht allein, liefert aber Grundlage für Training.
- Auslöser vermeiden, Ressourcen kontrolliert durch den Menschen, Krisen zügig verlassen/beenden.
- Hilfsmittel geplant einsetzen und ggf. vorher auftrainieren.
- Vorsicht bei stark erregenden Belohnungen.
- Hilfsmittel (Auswahl)
- Liegeplatz/Sicherheitszone: kein Strafen am Platz; dort passieren angenehme Dinge; Liegeplatztraining (ggf. 2 Phasen).
- Box: nur nach Aufbau; Größe/Material passend; Cave: nicht als „Dauerverwahrung“ missbrauchen.
- Maulkorb: Schutz von Menschen/Tieren; Cave: Hund nicht unbeaufsichtigt „einfach so“ damit laufen lassen; auch mit MK kann Schaden entstehen.
7) Zusammenleben: Bindung & Strukturen („Spielregeln“)
- Ziel
- Ruhe/Entspannung über klare Strukturen, Routine und Rituale (individuell zuschneiden).
- Rückzugs- und Ruhezonen einrichten und beachten.
- Kommunikation strukturieren (klar, eindeutig, fair) – nicht „Dominanz“.
- Cave
- Keine Strafen/keine Bedrängung bei riskanten Fällen; Eskalationsrisiko im Blick.
- Regeln in kleinen Schritten etablieren (Frustration nicht unnötig hochfahren).
8) Spezielles Training (Planung)
- Grundsätze
- Individuelle Situation: einfache Lösungen sind oft erfolgreicher als komplexe.
- Zielorientierung:
- Negativziel vermeiden („soll nicht…“).
- Positivziel formulieren („wenn X, dann macht Hund Y…“).
- Trainingsmantren:
- Saubere Trennung von Ernstfall und Training.
- Erregungslevel und Stresstoleranz im Blick behalten.
- Methoden-Bibliothek (Auswahl)
- Habituation / Desensibilisierung (inkl. systematische Desensibilisierung)
- Gegenkonditionierung (klassisch/operant)
- Alternativverhalten (differenziell verstärken), Shaping, ggf. Locken
- Kerneigenschaften: kurze Sequenzen, angemessene Pausen, klare Information, positive Verstärkung.
9) Desensibilisierung & Gegenkonditionierung (Kurzprotokoll-Vorlagen)
9.1 Reizkontrolle (Gate)
- Auslösender Reiz muss 100% kontrollierbar sein (Intensität, Distanz, Dauer).
9.2 Desensibilisierung (Template)
- Start unter Schwelle (Hund kann Futter nehmen/ansprechbar).
- Reiz kurz, niedrig; Abbruch bevor Erregung hochgeht.
- Sehr langsame Steigerung (Distanz reduzieren / Dauer erhöhen / Reiz intensiver).
- Optional: Entspannungssignal einbauen (nur wenn der Hund es vorher gelernt hat).
9.3 Gegenkonditionierung (Template)
- Reiz erscheint (unter Schwelle) → sofort gute Konsequenz (Futter/Spiel passend dosieren).
- Ziel: Reiz bekommt neue emotionale Bewertung.
- Alternativ: Reiz erscheint → Alternativverhalten auslösen und belohnen.
10) Unterbrechung von Verhalten (nur wenn nötig)
- Neutral geben; danach gewünschtes Alternativverhalten auslösen + belohnen.
- Cave
- Unterbrechung kann Stress/Frustration auslösen; Gefährdungspotential und Tierschutzrelevanz abwägen.
- Wenn aktiv: Hausleine/Geschirrgriff nur emotionslos/neutral; ideal vortrainieren/ankündigen.
11) Beobachtung & Tests (Termin 2 / live) – nur wenn sicher
- Grundsatz
- Nur soweit austesten, dass der Hund
- nicht überfordert wird,
- keine unerwünschten Lernerfahrungen macht,
- niemand gefährdet wird.
- Gefahrminimierung (Setup)
- Hilfsmittel (Geschirr/Leine/MK) sinnvoll; Halter muss Hund sicher kontrollieren können.
- Ggf. Hilfsperson (Hilfsleine), klare Anweisungen, Geschehen im Blick, rechtzeitig intervenieren.
- Im Freien prüfen
- Situation einsehbar? Genug Platz zum Ausweichen?
- Gefahr unkontrollierter Annäherung (Kinder/Tiere/Fahrzeuge)?
- Bei umzäuntem Gelände: Zaun hoch genug, Eingang sicher verschließbar.
12) Aggression – spezielle Hinweise (Modul-Vertiefung)
- Typische Auslöser-Kontexte (Beispiele)
- (vermeintliche) Bedrohung der Unversehrtheit (schnelle/frontal Annäherung, über den Hund beugen, Fixieren, körperliche Bedrängung, Schmerz)
- Verlust/Angst vor Verlust einer Ressource
- Frustrationsauslösender Kontext
- Gelernte Signale (z.B. Besitzerverhalten)
- Innerhalb des Haushalts (Hund–Mensch / Hund–Hund)
- Sicherheit geht vor; Hunde und Kinder immer beaufsichtigen, ggf. räumlich trennen (Cave: Trennung kann Problem zunächst „zementieren“).
- Hilfsmittel wie Hausleine/Maulkorb gezielt nutzen; Trennmöglichkeiten klären.
- Spielregeln in kleinen Schritten etablieren (Frustration/Umorientierung im Blick).
- Cave Gegenkonditionierung im Haushalt
- Klassische Gegenkonditionierung ist riskant, wenn „Opfer und Täter“ unter einem Dach leben; extrem gutes Management nötig.
- Möglichst viele Stress-/Erregungsauslöser identifizieren; Desensibilisierung und Vermeiden von Stresssituationen.
- Eingreifen in Konflikte
- So selten wie möglich / so oft wie nötig / so beiläufig wie möglich / so zeitig wie möglich.
- Neutrale Unterbrecher besser; keine aktive Strafe.
13) Abschluss (Termin 1) – Plan & Hausaufgabe
- Top-3 Situationen
- Situation 1: ____________________ (Cluster: __ / Score: __ / Trigger: __ / Risiko: __)
- Situation 2: ____________________ (Cluster: __ / Score: __ / Trigger: __ / Risiko: __)
- Situation 3: ____________________ (Cluster: __ / Score: __ / Trigger: __ / Risiko: __)
- Plan (3 Säulen)
- Management (2 Punkte sofort): ____________________ / ____________________
- Strukturen/Spielregeln (1–2 Punkte): ____________________ / ____________________
- Training (1 Ziel, positiv formuliert): ____________________
- Hausaufgabe
- Vorfallprotokoll (3 Ereignisse): Trigger, Distanz, Intensität (1–5), Dauer, Konsequenz, was half/verschlimmerte.
- Optional (nur sicher): Video 1 typischer Situation unter Managementbedingungen.
14) Messung & Follow-up (Iteration)
| Messgröße | Startwert | Zielwert | Messmethode | Frequenz |
|---|---|---|---|---|
| Häufigkeit Problem / Woche | Logbuch | wöchentlich | ||
| Intensität (0–4) | Skala | wöchentlich | ||
| Distanzschwelle (m) | Schrittmaß | 2-wöchentlich | ||
| Erholungszeit (Min) | Timer | 2-wöchentlich | ||
| Steuerbarkeit (Futter/Signal: ja/nein) | Notiz | wöchentlich |
- Nächster Termin: Datum __ ; Fokus __ ; Stop-Kriterien __
