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Ein Hund kann beispielsweise hoch aktiviert sein:
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'''Wie fühlt sich der Hund?'''
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[[Zwei Hunde]] können sehr stark aktiviert sein und sich trotzdem in völlig unterschiedlichen emotionalen Situationen befinden.
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Die Herzfrequenz wird jedoch ebenfalls beeinflusst durch:
Die Herzfrequenz wird jedoch ebenfalls beeinflusst durch:


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* Körperposition,
* Körperposition,
* Fitness,
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* [[Autonomes Nervensystem]]
* [[Autonomes Nervensystem]]
* [[Stresssystem]]
* [[Stresssystem]]
* [[Übersprungsverhalten]]
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* [[Verhalten]]
* [[Verhalten]]
* [[Antezedens]]
* [[Antezedens]]

Aktuelle Version vom 17. August 2026, 21:52 Uhr

Arousal bezeichnet in der Verhaltens- und Emotionsforschung den aktuellen Aktivierungsgrad eines Organismus. Beim Hund beschreibt Arousal damit, wie stark das Tier physiologisch und verhaltensbezogen aktiviert ist.

Arousal reicht vereinfacht von:

niedriger Aktivierung
↓
mittlerer Aktivierung
↓
hoher Aktivierung

Arousal sagt zunächst nicht, ob dieser Zustand angenehm oder unangenehm ist.

Ein Hund kann beispielsweise hoch aktiviert sein:

  • beim freudigen Spiel,
  • in Erwartung einer Belohnung,
  • während intensiver Suche,
  • bei Frustration,
  • bei Furcht,
  • während eines sozialen Konflikts.

Deshalb darf Arousal nicht mit Stress, Angst, Frustration oder Aufregung gleichgesetzt werden.[1]

Kurz erklärt

Arousal beschreibt vereinfacht:

Wie stark ist das System Hund gerade aktiviert?

Nicht:

Wie fühlt sich der Hund?

Zwei Hunde können sehr stark aktiviert sein und sich trotzdem in völlig unterschiedlichen emotionalen Situationen befinden.

Beispiel:

Hund A:
sieht seinen Lieblingsball
→ hohe Aktivierung
Hund B:
sieht einen bedrohlich wirkenden Hund
→ hohe Aktivierung

Beide Hunde können ein hohes Arousal zeigen.

Der emotionale Zustand ist jedoch wahrscheinlich unterschiedlich.

Deshalb müssen mindestens zwei Fragen getrennt betrachtet werden:

# Wie stark ist der Hund aktiviert?
# Ist der Zustand eher positiv oder negativ?

Arousal und Valenz

In der Emotionsforschung werden emotionale Zustände häufig anhand mindestens zweier Dimensionen beschrieben:

  • Arousal = Stärke beziehungsweise Aktivierungsgrad
  • Valenz = positive oder negative Qualität eines Zustands

Ein vereinfachtes Modell ergibt vier Kombinationen:[1]

Valenz Arousal mögliches Beispiel
positiv niedrig ruhiger, entspannter positiver Zustand
positiv hoch Spiel oder positive Erwartung
negativ niedrig niedrig aktivierter negativer Zustand
negativ hoch beispielsweise intensive Furcht oder Frustration

Die Beispiele dienen nur der Veranschaulichung. Aus dem beobachteten Aktivierungsgrad allein darf keine bestimmte Emotion abgeleitet werden.

Flint et al. untersuchten 2024 bei 60 Hunden experimentell Situationen, die sich hinsichtlich erwarteter Valenz und Arousal unterschieden. Die Ergebnisse unterstützen die Unterscheidung dieser Dimensionen, zeigen jedoch gleichzeitig, dass Valenz und Arousal experimentell nicht immer vollständig voneinander getrennt werden können.[1]

Was ist Arousal?

Arousal ist keine einzelne Emotion und kein einzelnes Verhalten.

Es handelt sich um ein theoretisches Konstrukt zur Beschreibung des Aktivierungszustandes.

Dieser Zustand kann sich unter anderem zeigen durch Veränderungen von:

  • Herzfrequenz,
  • Herzfrequenzvariabilität,
  • körperlicher Aktivität,
  • Atmung beziehungsweise Hecheln,
  • Körperhaltung,
  • Lautäußerungen,
  • Aufmerksamkeit,
  • Bewegungsintensität,
  • Reaktionsgeschwindigkeit,
  • neuroendokrinen Parametern.

Keiner dieser Parameter misst Arousal jedoch unter allen Bedingungen eindeutig.[1]

Was Arousal nicht ist

Arousal ist nicht gleich Stress

Stress und Arousal können miteinander verbunden sein, sind aber nicht dasselbe.

Eine belastende Situation kann die Aktivierung erhöhen.

Hohe Aktivierung kann jedoch ebenfalls während positiver Situationen auftreten.

Beispielsweise können:

Spiel
Beute-/Suchverhalten
positive Erwartung
soziale Interaktion

mit erhöhtem Arousal verbunden sein.

Daher ist folgende Gleichsetzung falsch:

hohes Arousal = Stress

Auch physiologische Stressparameter sind keine allgemeinen Arousal-Messgeräte.

Flint et al. fanden beispielsweise, dass Cortisol und ACTH unterschiedliche Aktivierungsgrade vor allem innerhalb negativ valenter Situationen unterschieden. Innerhalb positiver Situationen zeigten diese Parameter keine vergleichbare eindeutige Differenzierung.[1]

Arousal ist nicht gleich Angst oder Furcht

Angst beziehungsweise Furcht können mit hohem Arousal verbunden sein.

Hohes Arousal beweist jedoch keine Angst oder Furcht.

Positive Erwartung → hohes Arousal möglich
Furcht → hohes Arousal möglich

Das Aktivierungsniveau allein reicht deshalb nicht zur Bestimmung der emotionalen Valenz.

Arousal ist nicht gleich Aufregung

Im Alltag wird häufig von einem „aufgeregten Hund“ gesprochen.

Der Begriff ist unscharf, weil damit beispielsweise gemeint sein können:

  • hohe motorische Aktivität,
  • positive Erwartung,
  • Frustration,
  • Nervosität,
  • Furcht,
  • hohe Motivation,
  • geringe Impulskontrolle.

Arousal ist der präzisere Begriff, wenn zunächst nur der Aktivierungsgrad beschrieben werden soll.

Arousal ist nicht gleich Verhalten

Verhalten ist beobachtbar.

Arousal wird aus verschiedenen Verhaltens- und physiologischen Informationen erschlossen.

Beobachtung:

Der Hund springt innerhalb von zehn Sekunden viermal hoch,
läuft schnell zwischen Mensch und Tür hin und her
und vokalisiert.

Interpretation:

Der Hund zeigt wahrscheinlich einen erhöhten Aktivierungsgrad.

Die zweite Aussage ist bereits eine Schlussfolgerung.

Wodurch verändert sich Arousal?

Zahlreiche Ereignisse können das Aktivierungsniveau eines Hundes beeinflussen.

Dazu können gehören:

  • attraktive Ressourcen,
  • Futtererwartung,
  • Spiel,
  • soziale Interaktion,
  • Bewegungsaktivität,
  • Jagd- und Suchreize,
  • neue Umweltreize,
  • Furcht,
  • Frustration,
  • sozialer Konflikt,
  • Erwartungsverletzungen,
  • körperliche Belastung,
  • Schmerz oder körperliches Unwohlsein.

Dabei muss zwischen dem auslösenden Ereignis und der emotionalen Bewertung durch den Hund unterschieden werden.

Dass derselbe Reiz bei einem Hund ein starkes Arousal hervorruft, bedeutet nicht, dass ein anderer Hund identisch reagiert.

Positive und negative Aktivierung

Eine besonders wichtige Unterscheidung ist:

hohes Arousal ≠ negativer Zustand

Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität wurden unter anderem bei positiven und negativen emotionalen Situationen von Hunden untersucht.[2][3]

Daraus folgt für die Verhaltensbeobachtung:

Ein stark aktivierter Hund muss nicht zwangsläufig beruhigt werden.

Zunächst muss geklärt werden:

  • wodurch die Aktivierung entstanden ist,
  • welche Valenz wahrscheinlich vorliegt,
  • ob der Hund weiterhin funktional handeln kann,
  • ob das Aktivierungsniveau zur aktuellen Aufgabe passt.

Wie kann Arousal gemessen werden?

Arousal kann nicht zuverlässig durch ein einzelnes sichtbares Signal bestimmt werden.

In wissenschaftlichen Untersuchungen werden unterschiedliche Parameter kombiniert.

Herzfrequenz

Eine erhöhte Herzfrequenz kann mit höherem Arousal verbunden sein.

Sie wird deshalb häufig als physiologischer Indikator verwendet.[1]

Die Herzfrequenz wird jedoch ebenfalls beeinflusst durch:

  • körperliche Bewegung,
  • Körperposition,
  • Fitness,
  • Umgebungstemperatur,
  • individuelle Unterschiede,
  • gesundheitliche Faktoren.

Eine erhöhte Herzfrequenz beweist deshalb nicht allein einen bestimmten emotionalen Zustand.

Herzfrequenzvariabilität

Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt zeitliche Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen.

Verschiedene HRV-Parameter können Informationen über die Regulation durch das autonome Nervensystem liefern.

Studien zeigen Zusammenhänge zwischen HRV und emotionalen Situationen bei Hunden.[4]

Auch HRV ist jedoch kein eindeutiger „Stress-“ oder „Arousal-Wert“.

Bewegung und Messbedingungen können die Ergebnisse erheblich beeinflussen.[1]

Cortisol

Cortisol ist Bestandteil der Stresssystem und wird häufig zur Untersuchung von Stressreaktionen verwendet. Cortisol ist jedoch nicht mit Arousal gleichzusetzen.

Ausführlich: Cortisol

Verhalten

Mögliche Veränderungen bei erhöhtem Arousal können beispielsweise sein:

  • erhöhte Bewegungsaktivität,
  • schnelle Bewegungswechsel,
  • Vokalisieren,
  • Springen,
  • erhöhte Muskelspannung,
  • veränderte Orientierung,
  • schnellere Reaktionen,
  • Hecheln.

Diese Verhaltensweisen sind jedoch unspezifisch.

Sie müssen im Kontext und im Vergleich zur individuellen Basisrate beurteilt werden.

Zustands-Arousal und individuelle Erregbarkeit

Es ist sinnvoll, zwei Ebenen zu unterscheiden:

Aktueller Zustand

Der Hund ist jetzt stärker oder schwächer aktiviert.

Beispiel:

Ruhe
↓
Ball erscheint
↓
Aktivierung steigt

Individuelle beziehungsweise dispositionelle Erregbarkeit

Hunde unterscheiden sich darin, wie stark sie auf bestimmte Reize reagieren und wie leicht ihr Aktivierungsniveau ansteigt.

Dies kann als relativ stabile individuelle Eigenschaft beziehungsweise Temperamentsmerkmal untersucht werden.

Diese beiden Ebenen dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Eine Untersuchung an Detektionshunden zeigte beispielsweise, dass ein verhaltensbasiertes Maß für „reward arousal“ nicht signifikant mit der während des Trainings gemessenen Herzfrequenz korrelierte.[5]

Das spricht dafür, dispositionelle Erregbarkeit und momentane physiologische Aktivierung analytisch getrennt zu betrachten.

Arousal und Aufmerksamkeit

Veränderungen des Aktivierungsniveaus können die Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeit beeinflussen.

Dabei gilt jedoch nicht:

mehr Arousal = weniger Aufmerksamkeit

oder:

mehr Arousal = bessere Aufmerksamkeit

Welche Wirkung entsteht, hängt unter anderem ab von:

  • Individuum,
  • Ausgangsniveau,
  • Aufgabe,
  • Trainingshistorie,
  • Motivation,
  • emotionalem Kontext.

Für Trainer ist deshalb entscheidend, nicht ausschließlich das absolute Aktivierungsniveau zu betrachten, sondern die Funktionalität des Hundes in diesem Zustand.

Arousal, Lernen und Leistung

Eine häufig verwendete Vorstellung besagt, dass Leistung bei einem mittleren Aktivierungsniveau am besten und bei sehr niedriger oder sehr hoher Aktivierung schlechter sei.

Diese Vorstellung wird häufig mit dem Yerkes-Dodson-Gesetz verbunden.

Für Hunde darf daraus jedoch keine allgemeine feste Kurve abgeleitet werden.

Bray, MacLean und Hare untersuchten 2015 den Zusammenhang zwischen Aktivierung und inhibitorischer Kontrolle bei Hunden. Hunde mit niedrigerem Ausgangsniveau profitierten bei der untersuchten Aufgabe von einer Erhöhung des Arousals, während Hunde mit höherem Ausgangsniveau bei zusätzlicher Aktivierung schlechter abschnitten.[6]

Das spricht gegen eine einfache Regel wie:

hohes Arousal = schlechte Impulskontrolle

oder:

niedriges Arousal = gute Impulskontrolle

Die Wirkung hängt vielmehr vom Ausgangszustand und vom Individuum ab.[6]

Arousal und Gedächtnis

Auch Lernleistung und Gedächtniskonsolidierung können durch Aktivierung beeinflusst werden.

Collins-Pisano et al. untersuchten 2025 Detektionshunde nach einer Geruchsdiskriminationsaufgabe. Herzfrequenz, Cortisol, körperliche Aktivität und ein individuelles Maß für Belohnungs-Arousal wurden erfasst.[5]

Die Wirkung höherer trainingsbezogener Herzfrequenz auf die spätere Leistung hing unter anderem vom individuellen Belohnungs-Arousal und von der Aktivität nach dem Training ab.

Bei Hunden mit niedrigerem Belohnungs-Arousal war eine höhere trainingsbezogene Herzfrequenz unter bestimmten Bedingungen mit besserer späterer Leistung verbunden. Bei Hunden mit höherem Belohnungs-Arousal zeigte sich unter denselben Bedingungen der entgegengesetzte Zusammenhang.[5]

Daraus folgt:

Es existiert kein für alle Hunde gleicher optimaler Arousal-Wert.

Ist hohes Arousal problematisch?

Nicht zwangsläufig.

Hohes Arousal kann funktional sein.

Beispiele können sein:

  • Spiel,
  • Sprint,
  • Sucharbeit,
  • Jagdsequenzen,
  • sportliche Aufgaben,
  • intensive positive Erwartung.

Problematisch wird ein Aktivierungsniveau insbesondere dann, wenn es im jeweiligen Kontext mit einer deutlichen Verschlechterung relevanter Funktionen verbunden ist.

Dazu können gehören:

  • stark reduzierte Ansprechbarkeit,
  • Verlust einer zuvor verfügbaren Aufgabe,
  • deutlich erhöhte Fehlerrate,
  • eingeschränkte Verhaltensflexibilität,
  • sehr langsame Erholung,
  • wiederholtes Eskalieren der Aktivierung,
  • problematische Auswirkungen auf Wohlbefinden oder Sicherheit.

Dabei muss geprüft werden, ob tatsächlich das Aktivierungsniveau selbst entscheidend ist oder beispielsweise Furcht, Frustration oder ein anderer Zustand.

Wann ist Arousal zu niedrig?

Auch geringe Aktivierung ist nicht grundsätzlich optimal.

Für manche Aufgaben kann ein höheres Aktivierungsniveau die Leistung verbessern.[6]

Ein Hund mit sehr niedrigem Aktivierungsniveau kann beispielsweise:

  • geringe Handlungsbereitschaft zeigen,
  • langsam reagieren,
  • wenig Interesse an einer Verstärkerquelle zeigen.

Auch hier gilt:

Nicht das möglichst niedrige, sondern ein für Hund und Aufgabe funktionales Aktivierungsniveau ist relevant.

Arousal und Selbstregulation

Der Begriff Selbstregulation beim Hund beschreibt nicht einfach einen ruhigen Hund.

Ein Hund kann auch bei erhöhtem Arousal funktional und flexibel handeln.

Für die Trainingspraxis ist daher die Frage:

Kann der Hund sein Verhalten unter dem aktuellen Aktivierungsniveau noch flexibel an die Situation anpassen?

aussagekräftiger als:

Ist der Hund ruhig?

Ein äußerlich ruhiger Hund besitzt nicht zwangsläufig einen niedrigen emotionalen oder physiologischen Aktivierungszustand.

Ebenso bedeutet starke motorische Aktivität nicht automatisch mangelnde Selbstregulation.

Bedeutung für das Hundetraining

Was sollte der Trainer beobachten?

Arousal sollte nicht anhand eines einzelnen Signals beurteilt werden.

Sinnvoll ist die Beobachtung mehrerer Dimensionen:

  • Bewegungsintensität,
  • Geschwindigkeit,
  • Muskelspannung,
  • Reaktionsgeschwindigkeit,
  • Orientierung,
  • Ansprechbarkeit,
  • Vokalisation,
  • Hecheln,
  • Fähigkeit zum Aufgabenwechsel,
  • Fehlerrate,
  • Erholungszeit.

Zusätzlich muss der Kontext berücksichtigt werden.

Warum ist das Arousal erhöht?

Der Trainer sollte zunächst Hypothesen bilden.

Beispielsweise:

H1 positive Erwartung
H2 soziale Motivation
H3 Spielmotivation
H4 Frustration
H5 Furcht
H6 Konflikt
H7 Bewegungsaktivität
H8 Schmerz oder körperliches Unwohlsein
H9 erlernte Erwartung
H10 Kombination mehrerer Faktoren

Die Aussage:

Der Hund ist zu hoch im Arousal.

beschreibt noch nicht die Ursache.

Wann sollte der Trainer handeln?

Nicht jedes hohe Arousal muss reduziert werden.

Handlungsbedarf besteht eher, wenn das Aktivierungsniveau:

  • die gewünschte Aufgabe beeinträchtigt,
  • regelmäßig zu Kontrollverlust führt,
  • mit deutlichen negativen emotionalen Zuständen verbunden ist,
  • Sicherheitsprobleme verursacht,
  • eine angemessene Erholung verhindert,
  • dauerhaft deutlich erhöht erscheint.

Wie kann der Trainer die Hypothese prüfen?

Ein mögliches Vorgehen ist:

Beobachtung
↓
Aktivierungsniveau einschätzen
↓
möglichen Auslöser bestimmen
↓
Valenz berücksichtigen
↓
eine Umweltvariable verändern
↓
Verhalten erneut beobachten

Veränderbare Variablen können sein:

  • Distanz,
  • Reizintensität,
  • Dauer,
  • Bewegung,
  • Verstärker,
  • Verstärkungsrate,
  • Pausen,
  • Vorhersagbarkeit,
  • Schwierigkeit,
  • Anzahl gleichzeitig vorhandener Reize.

Beispiel

Beobachtung:

Ein Hund beginnt beim Anblick eines Trainingsballs
stark zu vokalisieren, springt am Menschen hoch
und reagiert nicht mehr zuverlässig auf ein zuvor
sicher ausgeführtes Signal.

Hypothese:

Das Aktivierungsniveau im Zusammenhang mit der
Belohnungserwartung beeinflusst die Aufgabenleistung.

Experiment:

Ball sichtbar
→ viele Fehler
Ball verdeckt
→ weniger Fehler
weniger stark aktivierender Verstärker
→ weniger Fehler

Damit wäre zunächst gezeigt:

Die Gestaltung der Verstärkung beeinflusst die Leistung.

Nicht bewiesen wäre:

Der Hund kann bei hohem Arousal grundsätzlich nicht lernen.

Häufige Fehlinterpretationen

„Hohes Arousal ist Stress“

Falsch.

Arousal beschreibt Aktivierungsstärke, nicht Valenz.[1]

„Ein aufgeregter Hund ist glücklich“

Nicht ableitbar.

Hohe Aktivierung kann sowohl mit positiven als auch negativen Zuständen verbunden sein.

„Ein ruhiger Hund fühlt sich gut“

Nicht zwingend.

Geringe motorische Aktivität erlaubt keine sichere Aussage über die emotionale Valenz.

„Bei hohem Arousal kann ein Hund nicht lernen“

Zu pauschal.

Experimentelle Hundedaten zeigen, dass erhöhte Aktivierung die Leistung abhängig vom Individuum und Ausgangsniveau sowohl verbessern als auch verschlechtern kann.[6][5]

„Man muss Arousal immer reduzieren“

Falsch.

Die für eine Aufgabe geeignete Aktivierung ist vom Individuum und vom Kontext abhängig.

„Herzfrequenz zeigt das Arousal eindeutig“

Zu pauschal.

Herzfrequenz ist ein nützlicher physiologischer Parameter, wird aber unter anderem durch körperliche Aktivität beeinflusst.[1]

„Cortisol misst Arousal“

Zu pauschal.

Cortisol ist insbesondere mit der Aktivität der HPA-Achse und Stressreaktionen verbunden und bildet positive und negative Aktivierungszustände nicht identisch ab.[1]

Forschungsstand und Grenzen

Arousal ist für die Erforschung von Emotion, Verhalten und Lernen beim Hund ein relevantes Konzept.

Die wissenschaftliche Einordnung besitzt jedoch mehrere Grenzen:

  • Es existiert kein einzelner allgemein gültiger Arousal-Marker.
  • Verhaltensindikatoren sind häufig unspezifisch.
  • Physiologische Parameter können durch Bewegung und Umweltbedingungen beeinflusst werden.
  • Valenz und Arousal lassen sich experimentell nicht immer vollständig voneinander trennen.
  • Hunde unterscheiden sich erheblich in ihrer individuellen Erregbarkeit.
  • Ein Aktivierungsniveau kann je nach Aufgabe unterschiedliche Auswirkungen besitzen.
  • Ergebnisse aus einer bestimmten Hundepopulation lassen sich nicht automatisch auf alle Hunde übertragen.

Daher sollte Arousal als mehrdimensional zu erfassender Aktivierungszustand und nicht als einfaches Etikett für „aufgeregtes Verhalten“ verstanden werden.

Praxis-Merksatz

Arousal beantwortet zunächst die Frage „Wie stark ist der Hund aktiviert?“ – nicht „Warum?“, „Wie fühlt er sich?“ oder „Ist der Zustand gut oder schlecht?“.

Für eine Trainingsentscheidung müssen zusätzlich mindestens betrachtet werden:

  • Kontext,
  • Valenz,
  • Auslöser,
  • Verhalten,
  • individuelle Basisrate,
  • Aufgabe,
  • Lerngeschichte,
  • Erholungsfähigkeit.

Siehe auch

Literatur

  • Bray EE, MacLean EL, Hare BA (2015): Increasing arousal enhances inhibitory control in calm but not excitable dogs. Animal Cognition 18:1317–1329. doi:10.1007/s10071-015-0901-1.
  • Collins-Pisano C, Krichbaum S, Lazarowski L, Katz JS (2025): The effect of arousal during and post-training on memory consolidation in detection dogs. Scientific Reports 15:25822. doi:10.1038/s41598-025-09902-2.
  • Flint HE, Weller JE, Parry-Howells N et al. (2024): Evaluation of indicators of acute emotional states in dogs. Scientific Reports 14:6406. doi:10.1038/s41598-024-56859-9.
  • Katayama M, Kubo T, Mogi K, Ikeda K, Nagasawa M (2016): Heart rate variability predicts the emotional state in dogs. Behavioural Processes 128:108–112. doi:10.1016/j.beproc.2016.04.015.
  • Zupan M, Buskas J, Altimiras J, Keeling LJ (2016): Assessing positive emotional states in dogs using heart rate and heart rate variability. Physiology & Behavior 155:102–111. doi:10.1016/j.physbeh.2015.11.027.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Flint HE, Weller JE, Parry-Howells N et al. (2024): Evaluation of indicators of acute emotional states in dogs. Scientific Reports 14:6406. doi:10.1038/s41598-024-56859-9
  2. Zupan M, Buskas J, Altimiras J, Keeling LJ (2016): Assessing positive emotional states in dogs using heart rate and heart rate variability. Physiology & Behavior 155:102–111. doi:10.1016/j.physbeh.2015.11.027
  3. Katayama M, Kubo T, Mogi K, Ikeda K, Nagasawa M (2016): Heart rate variability predicts the emotional state in dogs. Behavioural Processes 128:108–112. doi:10.1016/j.beproc.2016.04.015
  4. Katayama M, Kubo T, Mogi K, Ikeda K, Nagasawa M (2016): Heart rate variability predicts the emotional state in dogs. Behavioural Processes 128:108–112. doi:10.1016/j.beproc.2016.04.015
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Collins-Pisano C, Krichbaum S, Lazarowski L, Katz JS (2025): The effect of arousal during and post-Training on memory consolidation in detection dogs. Scientific Reports 15:25822. doi:10.1038/s41598-025-09902-2
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Bray EE, MacLean EL, Hare BA (2015): Increasing arousal enhances inhibitory control in calm but not excitable dogs. Animal Cognition 18:1317–1329. doi:10.1007/s10071-015-0901-1