Der alternde Hund
Mit zunehmendem Alter können sich Aktivität, Schlaf, Orientierung, Stubenreinheit, Sinnesleistungen und Verhalten eines Hundes verändern. Solche Veränderungen sind nicht automatisch „normales Alter“: Schmerz, Organerkrankungen, neurologische Veränderungen und eine canine kognitive Dysfunktion können ähnlich aussehen und sollten bei deutlichen oder neuen Auffälligkeiten tierärztlich abgeklärt werden.[1]
Veränderungen im Alter
Mögliche Veränderungen sind unter anderem:
- längere Ruhe- und Schlafphasen oder ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus;
- langsamere Bewegung, geringere Ausdauer oder veränderte Bewegungsmuster;
- nachlassendes Hör- oder Sehvermögen;
- veränderte Orientierung oder Lernleistung;
- Veränderungen sozialer Interaktion;
- neue Ängstlichkeit oder Unruhe;
- nachlassende Stubenreinheit.
Keines dieser Zeichen ist für sich allein diagnostisch. Ein Hund kann beispielsweise langsamer laufen, weil Gelenke schmerzen, weil Muskelkraft nachlässt oder weil eine neurologische Erkrankung vorliegt.
Canine kognitive Dysfunktion
Die canine kognitive Dysfunktion (CCDS) ist ein chronisches, fortschreitendes, altersassoziiertes neurodegeneratives Syndrom. Zu den typischen Verhaltensbereichen gehören Desorientierung, veränderte soziale Interaktion, Schlafstörungen, Unsauberkeit, Veränderungen von Lernen und Gedächtnis, Aktivitätsveränderungen und Angst. Diese Bereiche werden häufig mit dem Akronym DISHAA zusammengefasst.[2]
Eine Diagnose sollte andere mögliche Ursachen berücksichtigen. Altersbedingte Sinnesverluste, Schmerz, Stoffwechsel- oder Organerkrankungen können einzelne Zeichen imitieren oder verstärken.[1]
Schmerzen erkennen
Chronischer Schmerz zeigt sich nicht nur durch Lahmheit. Möglich sind beispielsweise:
- weniger Aktivität oder Spiel;
- langsameres Aufstehen und Bewegen;
- veränderte Körperhaltung;
- Berührungsempfindlichkeit;
- Rückzug oder Gereiztheit;
- veränderte Appetit- oder Ruhegewohnheiten.
Abweichungen vom individuellen Normalverhalten sind deshalb relevant. Die Schmerzbeurteilung sollte Verhalten, Bewegung, körperliche Untersuchung und Verlauf gemeinsam berücksichtigen.[3]
Unterstützung für ältere Hunde
Je nach Gesundheitszustand können hilfreich sein:
- regelmäßige, an Belastbarkeit angepasste Spaziergänge;
- rutschfeste Wege, gut erreichbare Ruheplätze und angepasste Einstiegshilfen;
- kurze, lösbare Trainings- und Suchaufgaben;
- regelmäßige Möglichkeiten zum Lösen;
- ausreichend Schlaf und Rückzug;
- tierärztliche Behandlung von Schmerzen oder anderen Erkrankungen.
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht pauschal nach Alter eingesetzt werden. Entscheidend sind Diagnose, erwarteter Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und Verlaufskontrolle.
Beschäftigung im Alter
Schnüffelaufgaben, bekannte Signale, einfache neue Aufgaben und ruhige gemeinsame Aktivitäten können Beschäftigung bieten. Ziel ist nicht möglichst viel „Gehirntraining“, sondern passende Aktivität ohne körperliche oder kognitive Überforderung.
Beobachtung im Alltag
Für Verlaufskontrollen kann es hilfreich sein, Veränderungen konkret zu dokumentieren:
- Schlaf-Wach-Rhythmus;
- Orientierung;
- Mobilität und Treppensteigen;
- soziale Interaktion;
- Stubenreinheit;
- Appetit;
- Lern- und Reaktionsverhalten.
So lassen sich schleichende Veränderungen besser von einzelnen schlechten Tagen unterscheiden.
Siehe auch
- Schmerz
- Kognition
- Gedächtnis
- Chronischer Arthroseschmerz und Veränderungen der Mensch-Hund-Beziehung
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Kim SH, Hao J (2025): Recent advances in diagnostic and therapeutic strategies for canine cognitive dysfunction. American Journal of Veterinary Research 86(8). PMID 40300622. doi:10.2460/ajvr.25.02.0053.
- ↑ Olby NJ et al. (2025): The Canine Cognitive Dysfunction Syndrome Working Group guidelines for diagnosis and monitoring of canine cognitive dysfunction syndrome. Journal of the American Veterinary Medical Association. PMID 41442884. doi:10.2460/javma.25.10.0668.
- ↑ Gruen ME et al. (2022): 2022 AAHA Pain Management Guidelines for Dogs and Cats. Journal of the American Animal Hospital Association 58:55–76. doi:10.5326/JAAHA-MS-7292.
