Fokusspiele im Hundetraining

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Als Fokusspiele werden hier kurze Trainingsübungen zusammengefasst, in denen der Hund wiederholt zwischen Umwelt, Futter und Mensch orientiert. Der Begriff ist kein einheitlich standardisiertes wissenschaftliches Verfahren. Unterschiedliche Trainer verwenden verschiedene Spiele, Ziele und Bezeichnungen.

Die Seite Focus Games von That Dog Guy bündelt beispielsweise die Übungen Sniff & Look, Two Steps, Ping Pong und eine dort als Give me a break bezeichnete Variante. Mehrere dieser Übungen werden auf der Seite Leslie McDevitt zugeschrieben.[1]

Grundidee

Fokusspiele können genutzt werden, um konkrete Orientierungsreaktionen aufzubauen: Nach einer kurzen Außenaktivität – etwa Futter suchen oder sich vom Menschen entfernen – wird die erneute Orientierung zum Menschen markiert oder anderweitig verstärkt. Je nach Übung steht dabei eher freiwilliges Einchecken, Bewegung mit dem Menschen oder ein vorhersehbarer Trainingsrhythmus im Vordergrund.

Fokus muss dabei nicht zwingend dauerhaften Blickkontakt bedeuten. Kopf- oder Körperorientierung, freiwilliges Zurückkommen und Ansprechbarkeit können je nach Trainingsziel ebenso relevante Kriterien sein.

Sniff & Look

In der beschriebenen Variante wird zunächst Futter mit einem Suchsignal auf den Boden geworfen. Nachdem der Hund das Futter gefunden hat, wartet der Mensch auf eine erneute Orientierung und markiert diese. Später kann die Übung in Bewegung ausgeführt und mit bekannten Signalen wie „Touch“, „Sitz“ oder einem Aufmerksamkeitssignal kombiniert werden.[1]

Der Wechsel zwischen Schnüffeln und Orientierung ist der eigentliche Trainingsbaustein. Daraus folgt nicht automatisch eine allgemeine Stressreduktion oder bessere Selbstkontrolle in anderen Situationen.

Two Steps

Bei Two Steps wird ein Futterstück auf den Boden gegeben. Während der Hund es aufnimmt, bewegt sich der Mensch ungefähr zwei Schritte weg. Orientiert sich der Hund wieder zum Menschen, wird dies markiert und der nächste Durchgang beginnt. Die Anbieterquelle schlägt kurze Serien und Training an unterschiedlichen Orten vor.[1]

Die Übung trainiert damit insbesondere erneute Orientierung während gemeinsamer Bewegung. Für Freilauf und Rückruf ist sie höchstens ein vorbereitender Baustein und ersetzt kein eigenständiges Rückruftraining.

Ping Pong

Beim Ping Pong wird Futter abwechselnd seitlich platziert oder geworfen. Nach der Futteraufnahme wird die erneute Orientierung zum Menschen abgewartet und markiert. Dieser Baustein wird ausführlich unter Ping-Pong-Spiel (Hundetraining) beschrieben.[1]

Give me a break: unterschiedliche Varianten

Die That-Dog-Guy-Seite beschreibt unter diesem Namen eine Routine mit zehn vorbereiteten Futterstücken: Mehrere sehr gut bekannte Verhaltensweisen werden in kurzer Folge abgefragt, danach folgt ein Freigabesignal und eine kurze Pause; anschließend kann erneut gearbeitet werden.[1]

Diese konkrete Fassung sollte nicht als identisch mit Leslie McDevitts ursprünglichem „Give Me a Break“ dargestellt werden. In einem Interview beschreibt McDevitt das Grundprinzip als wiederkehrenden Wechsel zwischen Verstärkung auf Distanz beziehungsweise Pause und der freiwilligen Rückkehr des Hundes zum Menschen, durch die eine neue Arbeitssequenz beginnt.[2] Eine weitere Trainingsdarstellung von CattleDog Publishing beschreibt ebenfalls Varianten, bei denen der Hund nach einer Futtergabe erneut selbst zum Menschen zurückkehrt.[3]

Für dieses Wiki wird die That-Dog-Guy-Fassung daher als anbieterbezogene Fokusübung mit Arbeits-/Pausenstruktur behandelt, nicht als verbindliche Originaldefinition des McDevitt-Spiels.

Verhältnis zu Pattern Games

Leslie McDevitts Control Unleashed verwendet sogenannte Pattern Games: vorhersehbare, wiederholbare Trainingsmuster, die unter anderem in ablenkenden oder emotional anspruchsvollen Situationen eingesetzt werden. Offizielle Programmbeschreibungen nennen Pattern Games als Bestandteil des Control-Unleashed-Ansatzes.[4]

Nicht jedes beliebige Fokusspiel ist deshalb automatisch ein originales Control-Unleashed-Pattern-Game. Bei konkreten Übungen sollte zwischen Originalprotokoll, späterer Variante und allgemeiner Trainingsidee unterschieden werden.

Wissenschaftliche Einordnung

Aufmerksamkeit gegenüber Menschen ist beim Hund kontext- und erfahrungsabhängig. In einer Studie mit 64 Hunden unterschieden sich Blickmuster zum Menschen unter anderem nach Trainingsstand und Aufgabe.[5] Eine experimentelle Studie mit Border Collies zeigte zudem, dass Training von Blickkontakt die Dauer des Blicks zum menschlichen Gesicht verändern kann.[6]

Diese Befunde zeigen, dass Aufmerksamkeits- und Blickverhalten durch Erfahrung und Training beeinflusst werden können. Sie belegen nicht die spezifische therapeutische Wirksamkeit eines einzelnen Fokus- oder Pattern-Games.

Praktische Hinweise

  • mit niedriger Ablenkung beginnen und Schwierigkeit schrittweise erhöhen;
  • freiwillige Orientierung nicht mit dauerhaftem Starren gleichsetzen;
  • Futterwürfe nur auf geeignetem, rutschfestem Untergrund einsetzen;
  • bei Angst, Aggressionsrisiko oder sehr hoher Erregung Distanz und Sicherheitsmanagement priorisieren;
  • eine Übung abbrechen oder vereinfachen, wenn der Hund nicht mehr sinnvoll teilnehmen kann;
  • kurze Übungsserien verwenden und Generalisierung getrennt prüfen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 That Dog Guy: Focus Games. https://thatdogguy.co.uk/focus-games – abgerufen 2026-08-25.
  2. Fenzi Dog Sports Academy: E151: Leslie McDevitt – Pattern Games for Working on Reactivity & Focus. https://www.fenzidogsportsacademy.com/blog/e151-leslie-mcdevitt-pattern-games-for-working-on-reactivity-focus – abgerufen 2026-08-25.
  3. CattleDog Publishing: Give Me a Break. https://cattledogpublishing.com/blog/give-me-a-break/ – abgerufen 2026-08-25.
  4. Clean Run: Control Unleashed Pattern Games, Leslie McDevitt. https://www.cleanrun.com/product/control_unleashed_pattern_games_on_demand_presentation/index.cfm – abgerufen 2026-08-25.
  5. Mongillo P, Pitteri E, Candaten M, Marinelli L: Can attention be taught? Interspecific attention by dogs (Canis familiaris) performing obedience tasks. Applied Animal Behaviour Science. 2016;182:30–37. doi:10.1016/j.applanim.2016.05.018.
  6. Wallis LJ et al.: Training for eye contact modulates gaze following in dogs. Animal Behaviour. 2015;106:27–35. PMID 26257403. doi:10.1016/j.anbehav.2015.04.020.