Leitfaden intern: Problemberatung (Master)
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Leitfaden intern: Problemberatung (Master)
0) Zweck
- Standardisiertes Vorgehen für Problemberatungen: Anamnese → Analyse → Priorisierung → Plan → Follow-up.
- Ziel: 1 Hauptproblem + 0–1 Nebenproblem mit (a) Management sofort, (b) Trainingsplan, (c) Messung & Hausaufgabe.
1) Rahmen & Prinzipien
- Mit dem Problem beginnen (beobachtbar), dann Kontext, dann Muster (Chronologie/ABC), erst dann Training.
- Neutral bleiben: keine Schuldzuweisung, keine Etiketten als Erklärung („dominant“, „stur“) – immer Verhalten + Funktion.
- Sicherheit/Management vor Training: Ernstfall ≠ Training.
- Skalen (für Gespräch & Dokumentation)
- Häufigkeit: 0=nie, 1=selten, 2=manchmal, 3=häufig, 4=(fast) immer
- Intensität: 1–5 (1 = mild, 5 = maximal/gefährlich)
- Steuerbarkeit: Futterannahme/Signal möglich? (ja/nein)
- Distanzschwelle: Meter/Schritte (wenn relevant)
- N/A nur, wenn Situation nie beobachtet wurde.
2) Vorab-Screening (10–15 Min)
- Ziele
- Risiko erkennen, Termin sinnvoll planen, Kunde vorbereiten.
- Fragen (Kurzscript)
- Was ist das Hauptproblem? (1 Satz, beobachtbar)
- Seit wann? Verlauf (stabil/steigend/sprunghaft)?
- Häufigkeit pro Woche? Intensität (0–4/1–5)?
- Sicherheitsrelevant? (Biss/Beinahe-Biss, Kinder, andere Hunde im Haushalt)
- Medizin-/Schmerzverdacht? (plötzlich, Berührung empfindlich, Schonung, „neu“)
- Management jetzt: was wird aktuell gemacht, was hilft kurzfristig?
- Vorbereitung Kunde
- 1–3 Videos (nur wenn sicher)
- Triggerliste (Top-5 Situationen)
- Ausrüstung mitbringen (Geschirr/Leinen/ggf. Maulkorb)
- Optional: Kurzfragebogen (siehe Anhang „Kurzscreening“)
3) Termin 1 (Standard 60 Min)
| Block | Dauer | Output |
|---|---|---|
| Einstieg & Rahmen | 5 | Vorgehen, Skalen, Ziel |
| Starterfragen | 10 | Kontext + Baseline |
| Triage-Gates | 3 | Sicherheit/Medizin/Steuerbarkeit |
| Problemanalyse (W-Fragen + Chronologie) | 15 | Problemdefinition + Verlauf |
| ABC-Analyse + Hypothesen | 10 | Muster + 2–3 Hypothesen |
| Modul-Screening (aktiv/inaktiv) | 12 | Clusterwahl (Haupt/Neben) |
| Abschluss | 5 | Plan (3 Säulen) + Hausaufgabe + Messung |
4) Starterfragen (intern: schnell & vollständig)
- Hund
- Name, Alter, Geschlecht/Kastration, Rasse/Mix
- Herkunft, seit wann im Haushalt, Aufzucht/Sozialisation (kurz)
- Gesundheit/Medikation/letzter Tierarztcheck
- Training bisher (Methoden, was gut klappt, was verschlechtert)
- Haushalt/Alltag
- Haushalt (Erwachsene/Kinder/Tiere)
- Wohnumfeld (Stadt/Land, Treppenhaus, Nachbarn, Garten)
- Tagesstruktur (Gassi, Ruhe, Beschäftigung, Fütterung)
- Management aktuell (Trennung, Barrieren, Leinenhandling, Maulkorb ja/nein)
- Alleinbleiben (Screening): Häufigkeit/Woche, Maxdauer, auffällig ja/nein
- Ziel des Kunden: „Was wäre in 4 Wochen sichtbar besser?“
5) Triage-Gates (Entscheidungslogik)
- Sicherheits-Gate (Stop-Kriterien)
- Beißvorfall/Verletzung, ernsthafte Beinahe-Situation, unkontrollierte Angriffe, Kind/Hund gefährdet?
→ Wenn ja: Management- und Sicherheitsplan priorisieren, keine riskanten Tests.
- Medizin-Gate (ohne Diagnose)
- Plötzlicher Beginn, deutliche Verschlechterung, Berührungsaversion, Schonung, „Handling plötzlich schlimm“?
→ Wenn plausibel: tierärztliche Abklärung anregen; Training bis dahin „low arousal/unter Schwelle“.
- Steuerbarkeits-Gate
- Kann der Hund in der Situation Futter nehmen / auf ein bekanntes Signal reagieren?
→ Wenn nein: Reizstärke senken, Training ausschließlich unter Schwelle.
6) Problemanalyse-Standard (für jedes Problem gleich)
- Problemdefinition (beobachtbar)
- Was genau tut der Hund? (Blick, Körper, Laut, Bewegung)
- Häufigkeit, Intensität, Dauer, Kontrollierbarkeit
- „Worst case“ vs. „typisch“
- W-Fragen + Chronologie
- Wer, wo, wann, wie – und wie endete es?
- Welche 2–3 Situationen sind am stärksten?
- Wie hat es begonnen (erstes Auftreten) und wie hat es sich verändert?
7) ABC-Analyse (funktionale Sicht)
- A (Antezedens): Was passiert direkt davor? (Trigger, Kontext, Distanz, Leine/frei)
- B (Behavior): Was genau? (Sequenz: Fixieren → Spannen → Laut → Vorwärts)
- C (Consequence): Was passiert direkt danach? (Distanz, Aufmerksamkeit, Ende der Situation, Zugang)
- Regel
8) Modul-Screening (Cluster auswählen)
Du aktivierst nur die Module, die passen. Pro Modul: 3–6 Minuten Screening, dann bei Auffälligkeit Kernfragen.
Module (Auswahl)
- Angst/Unsicherheit
- Aggression (Mensch/Hund/Handling)
- Ressourcen/Haushaltskonflikte
- Alleinbleiben/Trennungsstress
- Erregbarkeit/Frust/Impulskontrolle
- Jagd/Chasing/Bewegungsreize
- Bindung/Aufmerksamkeit
- Sonstiges (Leine, Ausbrechen, Aufreiten, Zerstören)
9) Kernfragen je Modul (nur Haupt/Neben)
- Angst/Unsicherheit
- Trigger genau? Schwelle/Distanz? Körpersprache? Generalisierung? Erholung?
- Aggression
- Kontext (drinnen/draußen/eng/weit/Leine)? Vorstufen? Funktion (was endet)? Eskalation (Kontakt ja/nein)? Sicherheits-Setup?
- Ressourcen
- Ressource? Gegen wen? Annäherungsschwelle? Warnsignale? Was verschärft/entschärft?
- Alleinbleiben
- Start nach dem Gehen (Min)? Zeichen? Setup? Verlauf (besser/schlechter)? Häufigkeit/Realität?
- Erregbarkeit/Frust
- Trigger 1–2? Rituale? Runterfahren (Min)? Frust bei Blockade? Konsequenz (was erreicht)?
- Jagd/Chasing
- Reiztyp (Geruch/Sicht/Bewegung)? Distanz? Sequenz? Management/Sicherung? Alternativen bei niedriger Ablenkung?
10) Lösungssystem (3 Säulen)
- 1) Management (sofort)
- Trigger reduzieren, Distanz, Barrieren, sichere Wege, Ausrüstung, klare „Krisenroutine“.
- Ziel: Problem nicht weiter üben lassen.
- 2) Strukturen & Alltag
- Ruhefenster, sichere Zonen, Ressourcensystem, verlässliche Rituale, Kooperation.
- 3) Spezifisches Training
- Zielverhalten positiv formulieren („wenn X, dann Y“)
- Training unter Schwelle, kleinschrittig, generalisierbar.
- Verstärker passend dosieren (Erregung im Blick).
11) Termin 2 (optional, 45–75 Min)
- Review Logbuch/Videos, Messwerte vergleichen
- Tests nur, wenn sicher & kontrolliert (kein „Provozieren“)
- Trainingsplan konkretisieren (Übungen, Kriterien, Progression, Fehlerplan)
12) Messung & Qualitätssicherung
- Messgrößen (Minimum)
- Häufigkeit/Woche, Intensität 1–5, Distanzschwelle, Erholungszeit, Steuerbarkeit (ja/nein)
- Zielwerte definieren (realistisch, in 4 Wochen)
- Review-Loop
- Was hat geholfen? Was hat verschlechtert?
- 1 Variable pro Woche ändern (wenn möglich), sonst ist Lernen schwer messbar.
Anhang A: Kurzscreening (für Vorab oder Termin 1)
- Top-5 Trigger/Situationen (Liste)
- Pro Trigger: Häufigkeit/Woche, Intensität 1–5, Distanzschwelle, Erholung, Steuerbarkeit
- Optional: modulare Item-Liste aus dem Beratungsprotokoll (siehe nächste Seite)
