Aversionslernen

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Aversionslernen bezeichnet Lernen, bei dem unangenehme, schmerzhafte, bedrohliche oder ekelerregende Ereignisse die spätere Reaktion auf Reize, Situationen oder eigenes Verhalten verändern. Je nach Lernprozess können Vermeidung, Flucht, Hemmung oder konditionierte emotionale Reaktionen entstehen.

Charakteristika

Aversive Lernerfahrungen können sehr schnell entstehen; unter bestimmten Bedingungen kann eine einzelne intensive Erfahrung ausreichen. Das ist aber keine allgemeine Regel für jedes Aversionslernen.

Mögliche Folgen sind:

Beispiel

Ein Hund wird beim Trinken aus einem Napf durch ein plötzliches lautes Geräusch stark erschreckt. Später kann er den Napf, den Ort oder ähnliche Geräusche meiden. Welche Merkmale tatsächlich gelernt werden, muss beobachtet werden; die Lernerfahrung ist nicht automatisch auf „Wasser“ beschränkt.

Lernmechanismen

Aversionslernen kann klassische und operante Komponenten enthalten:

  • Ein zunächst neutraler Reiz kann durch Paarung mit einem aversiven Ereignis eine konditionierte Reaktion auslösen.
  • Flucht- oder Vermeidungsverhalten kann durch Negative Verstärkung stabilisiert werden, wenn es einen aversiven Zustand beendet oder verhindert.

Bei bestimmten biologisch relevanten Beziehungen kann Lernen besonders schnell erfolgen. Ein klassisches Beispiel aus der Lernforschung ist Geschmacksaversionslernen nach Übelkeit. Solche Preparedness-Effekte sind kein Beweis dafür, dass jede Furchtreaktion angeboren oder unveränderlich ist.

Neurobiologische Einordnung

Amygdala, Hippocampus, präfrontale Bereiche und weitere Netzwerke können je nach Art des aversiven Lernens beteiligt sein. Eine sichtbare Reaktion erlaubt aber keine Diagnose nach dem Muster „die Amygdala ist aktiviert“. Schmerz, Erwartung, Kontext und Lerngeschichte greifen ineinander.

Relevanz im Hundetraining

Aversive Konsequenzen können Verhalten unterdrücken oder Flucht-/Vermeidungsverhalten verstärken. Gleichzeitig besteht das Risiko unerwünschter Assoziationen: Ein Hund kann beispielsweise Menschen, Orte oder andere Tiere mit dem unangenehmen Ereignis verknüpfen.

Eine Untersuchung mit 92 Familienhunden fand bei Gruppen, die mit höheren Anteilen aversiver Methoden trainiert wurden, während des Trainings mehr stressbezogene Verhaltensweisen und stärkere Cortisolanstiege; die Gruppe mit hohem Aversivanteil zeigte zudem einen negativeren Judgment Bias als die rein belohnungsbasiert trainierte Gruppe.[1] Die Studie vergleicht Trainingsschulen und beweist nicht, dass jede einzelne aversive Einwirkung dieselbe Wirkung hat.

Tierschutz und Recht in Deutschland

Rechtlich ist nicht „Aversionslernen“ als Lernprozess verboten. Relevant sind die eingesetzten Mittel und ihre Folgen. § 3 TierSchG verbietet unter anderem Training mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden sowie unter den dort genannten Voraussetzungen Geräte mit direkter Stromeinwirkung. Die Tierschutz-Hundeverordnung verbietet bei Ausbildung, Erziehung oder Training außerdem Stachelhalsbänder und andere für Hunde schmerzhafte Mittel.[2][3]

Die frühere pauschale Formulierung „Stromreizgeräte sind verboten“ wird deshalb präzisiert: Maßgeblich ist der konkrete gesetzliche Tatbestand; zusätzlich gelten weitere tierschutzrechtliche Grenzen für schmerzhafte Trainingsmittel.

Alternativen im Training

Je nach Ziel können insbesondere sinnvoll sein:

Das bedeutet nicht, dass jede schwierige Situation ohne Grenzen oder Frustration gestaltet werden muss. Entscheidend ist, wie Verhalten gelernt wird und welche Wohlfahrts- und Sicherheitsfolgen das Vorgehen hat.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Vieira de Castro AC et al. (2020): Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE 15:e0225023. PMID 33326450. doi:10.1371/journal.pone.0225023.
  2. ↑ Tierschutzgesetz, § 3, aktuelle Fassung: gesetze-im-internet.de.
  3. ↑ Tierschutz-Hundeverordnung, § 2 Abs. 5, aktuelle Fassung: TierSchHuV.