Allokoprophagie
Allokoprophagie bezeichnet die Aufnahme von Kot eines anderen Individuums derselben Art. Beim Hund ist damit die Aufnahme von Kot eines anderen Hundes gemeint. Davon zu unterscheiden sind die Autokoprophagie (Aufnahme des eigenen Kots) und die heterospezifische Koprophagie, also die Aufnahme von Kot einer anderen Tierart.
Begriff und Abgrenzung
Koprophagie ist der Oberbegriff für die Aufnahme von Kot. Die Unterteilung richtet sich danach, von wem der Kot stammt:
- Autokoprophagie: eigener Kot
- Allokoprophagie: Kot eines anderen Individuums derselben Art
- heterospezifische Koprophagie: Kot einer anderen Tierart
Für die Beurteilung ist diese Trennung wichtig, weil Studien zur conspecific coprophagy beim Hund häufig sowohl Eigenkot als auch Kot anderer Hunde zusammenfassen. Ergebnisse solcher Studien lassen sich deshalb nicht automatisch ausschließlich auf Allokoprophagie übertragen.
Einordnung beim Hund
Eine größere fragebogenbasierte Studie untersuchte die Aufnahme von Hundekot durch Haushunde. Die Autoren fanden keine einfache Erklärung über Alter, Geschlecht bzw. Kastrationsstatus, Hauptfutter, Stubenreinheit oder eine Verbindung zu zwanghaftem Verhalten. Häufige Kotaufnahme war unter anderem mit gierigem Fressverhalten, Mehrhundehaushalten sowie dem Fressen von Erde oder Katzenkot assoziiert. Solche Zusammenhänge zeigen jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Die Daten stützen daher keine pauschale Aussage, dass Allokoprophagie grundsätzlich durch einen Nährstoffmangel, Langeweile, Stress oder bestimmte Aufzuchtbedingungen verursacht werde. Im Einzelfall können gesundheitliche, ernährungsbezogene oder verhaltensbezogene Faktoren trotzdem relevant sein und müssen getrennt geprüft werden.
Risiken
Kot kann infektiöse Entwicklungsstadien von Parasiten oder andere Krankheitserreger enthalten. Das tatsächliche Risiko hängt unter anderem vom Erreger, vom Herkunftstier und von den Umweltbedingungen ab.
Bei der parasitologischen Diagnostik ist außerdem zu beachten, dass Koprophagie zu falsch positiven Kotbefunden führen kann, wenn aufgenommene Parasitenstadien den Verdauungstrakt passieren, ohne dass der Hund selbst mit dem betreffenden Parasiten infiziert ist.
Die Aufnahme von Pferde-, Katzen- oder Wildtierkot gehört begrifflich nicht zur Allokoprophagie des Hundes, sondern zur heterospezifischen Koprophagie. Spezifische Risiken solcher Kotarten sollten deshalb dort behandelt werden.
Management und Training
Ziel ist in erster Linie, die Aufnahme von Kot zuverlässig zu verhindern und gleichzeitig ein alternatives Verhalten aufzubauen. Geeignet können je nach Situation sein:
- Kot im eigenen Umfeld möglichst rasch entfernen
- Abstand zu bekannten Fundstellen herstellen und den Hund dort frühzeitig ansprechen
- ein gut aufgebautes Abbruch-, Rückruf- oder Tauschangebot trainieren
- bei hohem Risiko vorübergehend einen passend aufgebauten Fressschutz- bzw. Korbmaulkorb einsetzen
Für Trainingsmaßnahmen sollte kein sicherer "Heilerfolg" versprochen werden. In der vorhandenen Hundestudie wurden viele von Haltern ausprobierte Produkte und Verhaltensmaßnahmen nur selten als erfolgreich berichtet.
Wann tierärztlich abklären?
Eine tierärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn die Kotaufnahme neu auftritt oder deutlich zunimmt oder wenn gleichzeitig weitere Auffälligkeiten bestehen, zum Beispiel Gewichtsverlust, anhaltende Magen-Darm-Symptome oder auffällig gesteigerter Appetit. Aus dem Verhalten allein lässt sich kein Nährstoffmangel oder eine Erkrankung ableiten.
Siehe auch
- Koprophagie
- Autokoprophagie
- Alternativverhalten
- Maulkorbtraining positiv gestalten
Literatur und Quellen
- Hart, B. L.; Hart, L. A.; Thigpen, A. P.; Tran, A.; Bain, M. J. (2018): The paradox of canine conspecific coprophagy. Veterinary Medicine and Science 4(2): 106–114. DOI: 10.1002/vms3.92. PMID: 29851313.
- Dunbar, A.; Drigo, B.; Djordjevic, S. P.; Donner, E.; Hoye, B. J. (2024): Impacts of coprophagic foraging behaviour on the avian gut microbiome. Biological Reviews 99(2): 582–597. DOI: 10.1111/brv.13036. PMID: 38062990. (Terminologische Abgrenzung von Auto-, Allo- und heterospezifischer Koprophagie.)
- ESCCAP (2021): Modular Guide Series 1 – Worm Control in Dogs and Cats, Third Edition.
