Reiz
Ein Reiz (englisch stimulus) ist in Verhaltens- und Lernwissenschaften ein Ereignis oder eine wahrnehmbare Bedingung, die in einer Analyse als relevante Umweltvariable beschrieben wird. Ein Reiz kann äußerlich sein, etwa ein Geräusch, Geruch oder Lichtsignal, oder aus körperinternen Veränderungen stammen.
Reiz ist nicht gleich Auslöser
Im Alltag wird „Reiz“ häufig so verwendet, als würde er ein Verhalten automatisch auslösen. Fachlich ist das zu grob. Die Wirkung eines Reizes hängt unter anderem ab von:
- Wahrnehmbarkeit;
- Lerngeschichte;
- aktuellem Kontext;
- Motivation und körperlichem Zustand;
- anderen gleichzeitig vorhandenen Reizen.
Das gleiche Geräusch kann deshalb bei verschiedenen Hunden oder beim selben Hund in unterschiedlichen Situationen andere Reaktionen hervorrufen.
Reize in der klassischen Konditionierung
Bei klassischer Konditionierung werden unter anderem unterschieden:
- unkonditionierter Stimulus (US): kann ohne die spezifische vorherige Konditionierung eine Reaktion hervorrufen;
- konditionierter Stimulus (CS): erhält durch Lernerfahrung Vorhersagebedeutung.
Die Bezeichnungen beziehen sich auf die jeweilige Versuchsanordnung beziehungsweise Lernhistorie und sind keine festen Eigenschaften eines Gegenstands.
Reize in der operanten Konditionierung
Bei operantem Lernen können vorausgehende Reize anzeigen, unter welchen Bedingungen ein Verhalten bestimmte Konsequenzen hat. Ein Diskriminativer Reiz signalisiert beispielsweise eine Verstärkungsgeschichte für ein Verhalten.
Generalisierung und Diskrimination
Bei Generalisierung reagiert ein Organismus auch auf Reize, die dem gelernten Reiz ähnlich sind. Beim Diskriminationslernen werden relevante Unterschiede gelernt.
Für Training bedeutet das: Ein Signal soll häufig gegenüber unwichtigen Veränderungen generalisieren, zugleich aber von anderen Signalen unterschieden werden.
Reizintensität und Verhalten
Stärkere Reize führen nicht automatisch zu „stärkeren Emotionen“. Intensität ist nur ein Faktor. Abstand, Dauer, Vorhersagbarkeit, Kontrollierbarkeit, Lerngeschichte und Gesundheitszustand können ebenfalls entscheidend sein.
Begriffe wie „Reizschwelle“ können praktisch nützlich sein, sollten aber nicht als fixe biologische Grenze verstanden werden.
