Schmerz

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Schmerz ist eine aversive sensorische und emotionale Erfahrung, die bei Hunden Verhalten, Bewegung, Schlaf, soziale Interaktion und Lernbedingungen verändern kann. Akuter und chronischer Schmerz müssen medizinisch beurteilt werden; Verhalten allein zeigt weder Ursache noch Stärke zuverlässig an.[1]

Akuter und chronischer Schmerz

Akuter Schmerz steht häufig mit einer frischen Verletzung, Entzündung, Operation oder Erkrankung in Verbindung. Chronischer Schmerz hält länger an oder besteht über die erwartete Heilungszeit hinaus. Bei Hunden ist muskuloskelettaler Schmerz, etwa durch Osteoarthritis, ein wichtiger chronischer Schmerzbereich.[1]

Chronischer Schmerz kann sich schleichend entwickeln. Halter interpretieren Veränderungen deshalb manchmal zunächst als „Alter“, „Sturheit“ oder Charakterveränderung.

Mögliche Verhaltensänderungen

Schmerz kann sich unter anderem zeigen durch:

  • veränderte Haltung oder Bewegung;
  • langsameres Aufstehen oder Treppensteigen;
  • weniger Spiel und Aktivität;
  • Rückzug;
  • veränderten Schlaf;
  • Berührungsempfindlichkeit;
  • Unruhe oder Gereiztheit;
  • veränderte Futteraufnahme;
  • Abwehr- oder Aggressionsverhalten in bestimmten Situationen.

Ruhiges Verhalten schließt Schmerz nicht aus. Für die Beurteilung sind Abweichungen vom individuellen Normalverhalten besonders wichtig.[2]

Schmerz und Verhalten

Schmerz kann die Wahrscheinlichkeit bestimmter Reaktionen verändern, erklärt aber nicht automatisch jedes Problemverhalten. Ein Hund kann beispielsweise bei Berührung knurren, weil diese schmerzhaft ist; derselbe sichtbare Verhaltenstyp kann jedoch auch andere Funktionen haben.

Bei neu auftretender Gereiztheit, Bewegungsunlust, Handlingproblemen oder deutlicher Veränderung des Verhaltens sollte Schmerz deshalb als mögliche Differentialursache berücksichtigt werden.

Schmerzerfassung

Eine seriöse Schmerzbeurteilung kombiniert möglichst mehrere Informationsquellen:

  • Beobachtung von Gangbild, Haltung und Verhalten;
  • körperliche Untersuchung;
  • Angaben der Bezugsperson zu Veränderungen im Alltag;
  • validierte Schmerz- beziehungsweise Funktionsskalen, soweit passend;
  • Verlauf unter Behandlung.

Ein einzelnes Signal wie eingezogene Rute, Hecheln oder Appetitverlust ist nicht spezifisch genug, um Schmerz zu diagnostizieren.

Behandlung

Schmerztherapie ist tiermedizinische Aufgabe. Moderne Leitlinien empfehlen eine individuelle, häufig multimodale Strategie aus wirksamen pharmakologischen und nichtpharmakologischen Maßnahmen sowie regelmäßiger Neubewertung.[1]

Im Wiki werden Teilbereiche unter anderem behandelt unter:

Bedeutung für Hundetraining

Training kann Schmerzen nicht „wegtrainieren“. Bei einem schmerzhaften Hund können Anpassungen jedoch Belastung reduzieren:

  • Trainingsdauer und körperliche Anforderungen anpassen;
  • rutschige oder schmerzauslösende Bewegungen vermeiden;
  • Handling kleinschrittig gestalten;
  • sichere Ruhe- und Liegeplätze bereitstellen;
  • Veränderungen dokumentieren und an Tierarzt beziehungsweise Physiotherapie rückmelden.

Wenn ein Hund eine bisher gut bewältigte Aufgabe plötzlich meidet, sollte nicht automatisch mangelnde Motivation oder „Ungehorsam“ angenommen werden.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Gruen ME et al. (2022): 2022 AAHA Pain Management Guidelines for Dogs and Cats. Journal of the American Animal Hospital Association 58:55–76. doi:10.5326/JAAHA-MS-7292.
  2. ↑ AAHA (2022): Acute and Perioperative Canine Pain Assessment. 2022 AAHA Pain Management Guidelines.