Fokus im Hundetraining
Fokus bezeichnet im Hundetraining die selektive Ausrichtung von Aufmerksamkeit auf einen für die aktuelle Aufgabe relevanten Reiz. Das kann der Mensch sein, muss aber nicht mit dauerhaftem Blickkontakt gleichgesetzt werden. Je nach Trainingsziel können auch Kopf- oder Körperorientierung, freiwilliges Zurückkommen, gemeinsames Weitergehen oder kurze Check-ins relevante Formen von Fokus sein.
Fokus ist kontextabhängig
Wie lange und worauf ein Hund seine Aufmerksamkeit richtet, hängt von Aufgabe, Umgebung, Lernerfahrung, Motivation und individuellen Voraussetzungen ab. In Untersuchungen unterschieden sich Blickmuster zum Menschen unter anderem nach Trainingsstand und konkreter Aufgabe.[1]
Training von Blickkontakt kann das Blickverhalten selbst verändern. In einer Studie mit Border Collies führte ein entsprechendes Training zu längerer Orientierung zum menschlichen Gesicht und beeinflusste zugleich das Folgen menschlicher Blickrichtungen.[2] Mehr Blickkontakt ist deshalb nicht automatisch in jeder Aufgabe „besser“.
Aufbau von Orientierung
Ein möglicher Trainingsweg besteht darin, zunächst spontane Orientierung zu verstärken:
- Der Hund wird in einer ausreichend leichten Situation beobachtet.
- Orientiert er sich freiwillig zum Menschen, wird das gewünschte Verhalten markiert und belohnt.
- Erst wenn dieses Verhalten häufig und zuverlässig auftritt, kann ein Wort- oder Geräuschsignal unmittelbar vor der erwarteten Orientierung eingeführt werden.
- Ablenkung, Dauer und Distanz werden schrittweise verändert.
Das konkrete Kriterium sollte vorab festgelegt werden: kurzer Blick, Kopfwendung, Herankommen oder Position am Menschen sind unterschiedliche Verhaltensweisen.
Fokusspiele
Kurze wiederkehrende Übungen können Orientierung trainierbar machen. Beispiele sind Such-und-Orientierungs-Schleifen, Two Steps und das Ping-Pong-Spiel (Hundetraining). Sie werden unter Fokusspiele im Hundetraining zusammengefasst.
Solche Übungen trainieren zunächst das jeweilige Verhalten innerhalb des geübten Musters. Ein Transfer auf Rückruf, Begegnungstraining oder emotionale Regulation muss separat aufgebaut und überprüft werden.
Anwendungsbereiche
Fokus- und Orientierungsverhalten kann unter anderem nützlich sein bei:
- Rückruftraining und Freilaufvorbereitung,
- gemeinsamer Bewegung und Fußarbeit,
- Start einer Trainingssequenz,
- Situationen, in denen der Hund zwischen Umweltbeobachtung und Orientierung zum Menschen wechseln soll,
- Sport- und Tricktraining.
Bei Begegnungen oder Angst ist Fokus kein Ersatz für ausreichende Distanz, Management und eine funktionale Verhaltensanalyse. Ein Hund muss einen relevanten Umweltreiz nicht dauerhaft ausblenden, um trainierbar zu sein.
Fehlerquellen
- Zu hohe Schwierigkeit: Wird Fokus erst unter starker Ablenkung verlangt, kann das Signal wiederholt erfolglos bleiben.
- Blickkontakt mit Aufmerksamkeit verwechseln: Ein Hund kann ansprechbar sein, ohne den Menschen dauerhaft anzusehen.
- Dauerfokus verlangen: Permanente visuelle Fixierung kann die Wahrnehmung anderer relevanter Reize einschränken.
- Signal mehrfach wiederholen: Besser ist es, die Situation zu vereinfachen und das Signal unter einer leichteren Bedingung erneut aufzubauen.
- Weitergehende Wirkungen voraussetzen: Fokusarbeit beweist weder Bindung noch Impulskontrolle oder emotionale Stabilität.
Fokus als eigener Trainingsrahmen
Im bisherigen Artikelbestand wurde zusätzlich eine spezielle Konvention beschrieben, bei der das Wort „Fokus“ den Beginn einer Arbeitsphase und „Frei“ deren Ende markiert. Weil dies ein anderes Konzept als allgemeines Aufmerksamkeitsverhalten ist, wird es separat unter Fokus-Signal als Trainingsrahmen behandelt.
Siehe auch
- Aufmerksamkeit
- Aufmerksamkeitssignal
- Fokusspiele im Hundetraining
- Fokus-Signal als Trainingsrahmen
- Namenstraining
Einzelnachweise
- ↑ Mongillo P, Pitteri E, Candaten M, Marinelli L: Can attention be taught? Interspecific attention by dogs (Canis familiaris) performing obedience tasks. Applied Animal Behaviour Science. 2016;182:30–37. doi:10.1016/j.applanim.2016.05.018.
- ↑ Wallis LJ et al.: Training for eye contact modulates gaze following in dogs. Animal Behaviour. 2015;106:27–35. PMID 26257403. doi:10.1016/j.anbehav.2015.04.020.
