Cushing-Syndrom
Das Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus) bezeichnet Erkrankungen mit chronisch erhöhter Glukokortikoidwirkung. Beim Hund sind vor allem eine hypophysenabhängige und eine nebennierenabhängige Form relevant; auch eine längerfristige Glukokortikoidbehandlung kann ein iatrogenes Cushing-Syndrom verursachen.[1]
Formen und Ursachen
- Hypophysenabhängiger Hyperadrenokortizismus (PDH/Cushing disease): Ein ACTH-sezernierender Hypophysentumor führt zu erhöhter Stimulation der Nebennierenrinde.
- Nebennierenabhängiger Hyperadrenokortizismus (ADH): Ein Nebennierentumor produziert überschüssiges Cortisol.
- Iatrogenes Cushing-Syndrom: Folge einer längerfristigen oder hohen exogenen Glukokortikoidwirkung.
Symptome
Typische klinische Zeichen können sein:
- vermehrter Durst und Harnabsatz,
- gesteigerter Appetit,
- Hecheln,
- Muskelabbau und pendelnder Bauch,
- Haut- und Fellveränderungen,
- erhöhte Infektanfälligkeit und reduzierte körperliche Belastbarkeit.[1]
Verhaltensänderungen wie geringere Aktivität, Unruhe, veränderte Reizbarkeit oder schlechtere Belastbarkeit können im Einzelfall gleichzeitig auftreten. Sie sind jedoch unspezifisch und diagnostizieren kein Cushing-Syndrom.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, klinische Befunde, Routinelabor, endokrine Tests und bei Bedarf Bildgebung. Der Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest (LDDST) wird häufig als Screeningverfahren eingesetzt; der ACTH-Stimulationstest hat je nach Fragestellung andere Stärken und ist bei natürlich auftretendem Cushing nicht in allen Formen gleich sensitiv.[1]
Ultraschall und weitere Untersuchungen können helfen, die Ursache einzuordnen. Ein einzelner Cortisolwert oder ein Verhalten reicht zur Diagnose nicht aus.
Behandlung
Je nach Ursache kommen unter anderem infrage:
- medikamentöse Hemmung der Cortisolsynthese, häufig mit Trilostan,
- chirurgische Behandlung ausgewählter Nebennierentumoren,
- bei hypophysenabhängiger Erkrankung je nach Fall weitere spezialisierte Optionen,
- regelmäßiges klinisches und labordiagnostisches Monitoring.[1]
Bedeutung für Verhaltenstherapie und Training
Körperliche Veränderungen – beispielsweise Muskelschwäche, vermehrtes Trinken/Harnen, Hunger oder reduzierte Ausdauer – können Trainingsbedingungen deutlich verändern. Sinnvoll sind deshalb:
- realistische Belastung und ausreichende Pausen,
- Management körperlicher Bedürfnisse,
- medizinische Abklärung bei neuen, ausgeprägten oder unerklärlichen Veränderungen,
- erneute Verhaltensbeurteilung nach medizinischer Stabilisierung, wenn Krankheit ein möglicher Mitfaktor war.
„Kein Trainingserfolg“ ist für sich allein kein Beweis für eine endokrine Erkrankung. Ebenso sind aversive Methoden nicht deshalb spezifisch „Cushing-kontraindiziert“; Trainingsmethoden sollten generell unter Sicherheits-, Lern- und Wohlfahrtsaspekten beurteilt werden.
Differentialdiagnosen
Je nach Symptomatik können unter anderem andere endokrine Erkrankungen, Schmerzen, altersbedingte Veränderungen, neurologische Erkrankungen und medikamentöse Effekte in Betracht kommen.
Siehe auch
- Cortisol
- HPA-Achse
- Morbus Addison
- Hypothyreose
- Verhaltensänderung durch Krankheit
