Progesteron
Progesteron ist ein Steroidhormon, das bei der Hündin eine zentrale Rolle im Sexualzyklus, in der Lutealphase und bei der Aufrechterhaltung einer Trächtigkeit spielt. Es wird nach der Follikelreifung vor allem von den Corpora lutea (Gelbkörpern) der Eierstöcke gebildet. Eine Besonderheit der Hündin ist, dass der Progesteronanstieg bereits um den LH-Gipfel und damit vor der Ovulation beginnt.[1]
Bildung und Funktion
Progesteron unterstützt unter anderem:
- Vorbereitung und Erhaltung einer für die Trächtigkeit geeigneten Gebärmutterschleimhaut,
- Verminderung der Kontraktilität des Uterus,
- Aufrechterhaltung der Trächtigkeit,
- Regulation weiterer reproduktionsphysiologischer Prozesse.
Bei der Hündin entsteht nach der Ovulation eine ausgeprägte Lutealphase auch dann, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat. Deshalb sind Progesteronverläufe bei trächtigen und nicht trächtigen Hündinnen über weite Strecken ähnlich.
Verlauf im Zyklus
- Der erste messbare Anstieg beginnt ungefähr um den LH-Gipfel, also vor der Ovulation.
- Die Ovulation erfolgt typischerweise etwa zwei Tage nach dem LH-Gipfel; Progesteron liegt dann bereits im ansteigenden Bereich.[2]
- Während des Diöstrus bleibt Progesteron erhöht und fällt anschließend wieder ab.
- Der Verlauf allein unterscheidet eine normale nicht trächtige Lutealphase nicht zuverlässig von einer Trächtigkeit.
Ein einzelner Progesteronwert ist für die Zyklusdatierung weniger aussagekräftig als eine Serie von Messungen mit derselben Labormethode.
Reproduktionsmedizin
Serielle Progesteronmessungen werden vor allem eingesetzt, um den LH-Gipfel bzw. die Ovulation zeitlich abzuschätzen und dadurch Deck- oder Besamungszeitpunkte zu planen.[3]
Progesteron ist kein geeigneter alleiniger Trächtigkeitsnachweis. Trächtige und nicht trächtige Hündinnen können vergleichbare luteale Progesteronkonzentrationen aufweisen. Für die Trächtigkeitsdiagnostik werden insbesondere Ultraschall sowie – je nach Zeitpunkt und Fragestellung – Relaxin-Tests eingesetzt.[4]
Scheinträchtigkeit
Die hormonelle Lutealphase tritt auch ohne Trächtigkeit auf. Beim Übergang aus dem Diöstrus spielt insbesondere der Abfall von Progesteron zusammen mit Prolaktin eine Rolle bei klinischer Scheinträchtigkeit. Mögliche Anzeichen sind Nestbau, Bemuttern von Gegenständen, Veränderungen der Aktivität, Milchdrüsenschwellung oder in manchen Fällen gereiztes bzw. defensives Verhalten.[5]
Verhalten und Training
Verhaltensänderungen können während Läufigkeit, Diöstrus oder Scheinträchtigkeit auftreten. Ein bestimmtes Verhalten lässt sich jedoch nicht allein aus einem Progesteronwert ableiten. Für Training und Verhaltenstherapie bedeutet das:
- körperliche und verhaltensbezogene Veränderungen individuell beobachten,
- Anforderungen bei deutlichem Unwohlsein oder veränderter Belastbarkeit anpassen,
- Management bei vorübergehend erhöhtem defensivem Verhalten einsetzen,
- bei ausgeprägten oder plötzlich auftretenden Veränderungen medizinische Ursachen tierärztlich abklären lassen.
Pauschale Aussagen wie „Trainingsrückschritte sind wegen Progesteron normal“ sind zu ungenau, weil Verhalten von mehreren hormonellen, körperlichen, sozialen und lerngeschichtlichen Faktoren abhängt.
Kastration
Nach Ovariektomie oder Ovariohysterektomie entfällt die zyklische Progesteronproduktion der Eierstöcke. Wird eine Hündin während einer aktiven Lutealphase kastriert, kann der abrupte Progesteronabfall eine Scheinträchtigkeit auslösen oder verstärken.[6]
Verhaltensfolgen einer Kastration sind nicht allein aus dem Wegfall von Progesteron vorherzusagen; Ausgangsverhalten, Alter, Gesundheitszustand und weitere hormonelle Systeme müssen berücksichtigt werden.
Siehe auch
- Östrogen
- Scheinschwangerschaft beim Hund
- Verhalten nach Kastration
- Hormonell bedingtes Verhalten
- Training und Zyklus
Quellen
- ↑ Merck Veterinary Manual: Clinical Investigation of Canine Reproduction Disorders
- ↑ Merck Veterinary Manual: Breeding Management of Bitches
- ↑ Merck Veterinary Manual: Breeding Management of Bitches
- ↑ Merck Veterinary Manual: Pregnancy Determination in Bitches and Queens
- ↑ Merck Veterinary Manual: Pseudopregnancy in Small Animals
- ↑ Merck Veterinary Manual: Pseudopregnancy in Small Animals
