Phytotherapie
Phytotherapie bezeichnet die therapeutische Verwendung pflanzlicher Stoffe und Zubereitungen. Auch in der Tiermedizin werden pflanzliche Präparate eingesetzt. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit müssen jedoch für das konkrete Präparat, die Dosis, Tierart und Erkrankung beurteilt werden; „pflanzlich“ bedeutet weder automatisch wirksam noch nebenwirkungsfrei.
Evidenzlage
Die veterinärmedizinische Evidenz ist heterogen. Für einzelne standardisierte Präparate und Indikationen gibt es kontrollierte Studien, beispielsweise bei caniner atopischer Dermatitis oder Osteoarthritis.[1][2] Solche Ergebnisse lassen sich nicht auf „Phytotherapie insgesamt“ oder auf andere Pflanzen, Zubereitungen und Erkrankungen übertragen.
Eine Übersicht systematischer Reviews aus dem Jahr 2024 betont den Bedarf an methodisch hochwertigen Wirksamkeitsprüfungen in der komplementären Veterinärmedizin.[3]
Qualität und Standardisierung
Pflanzliche Arzneimittel können sich je nach Pflanzenteil, Herkunft, Extraktionsverfahren und Wirkstoffgehalt deutlich unterscheiden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt deshalb eigene Qualitätsleitlinien für pflanzliche Arzneimittel, die auch veterinärmedizinische Produkte einschließen.[4]
Risiken
Mögliche Risiken sind unter anderem:
- unerwünschte Wirkungen und Überdosierung;
- Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln;
- ungeeignete Pflanzen oder ätherische Öle für die jeweilige Tierart;
- variable oder nicht deklarierte Wirkstoffkonzentrationen;
- Verzögerung einer notwendigen Diagnostik oder wirksamen Behandlung.
Deshalb sollten insbesondere innere Anwendungen, konzentrierte Extrakte und ätherische Öle bei erkrankten Hunden tierärztlich beziehungsweise tierärztlich-pharmakologisch abgeklärt werden.
Keine pauschalen Wirkversprechen
Die frühere Fassung ordnete zahlreichen Pflanzen pauschal Wirkungen wie „entgiftend“, „blutreinigend“, „immunstärkend“, antiviral oder wundheilend zu und stellte generell geringere Nebenwirkungen als bei synthetischen Mitteln in Aussicht. Solche Sammelaussagen sind ohne produktspezifische Evidenz nicht belastbar und werden nicht als allgemeine Fachregel übernommen.
Einzelne Pflanzen oder Präparate sollten stattdessen in eigenen Artikeln mit klarer Zubereitung, Indikation, Evidenz, Dosierungsgrundlage, Kontraindikationen und Sicherheitsdaten behandelt werden.
Einzelnachweise
- ↑ Nagle TM et al.: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial ... Chinese herbal product (P07P) ... canine atopic dermatitis. Vet Dermatol. 2001. PMID 11906651.
- ↑ Martello E et al.: Efficacy of a dietary supplement in dogs with osteoarthritis: A randomized placebo-controlled, double-blind clinical trial. PLoS One. 2022;17:e0263971. doi:10.1371/journal.pone.0263971.
- ↑ da Matta EC et al.: Homeopathy, Acupuncture and Phytotherapy in the Veterinary Treatment or Prophylaxis of Diseases in Animals: An Overview of Systematic Reviews. 2024. PMID 39284363.
- ↑ European Medicines Agency: Quality of herbal medicinal products/traditional herbal medicinal products, Rev. 3; veterinärmedizinischer Anwendungsbereich eingeschlossen.
