Notfallsituationen
Notfallsituationen beim Hund sind akute Zustände, bei denen eine rasche tierärztliche Beurteilung erforderlich ist. Beispiele sind schwere Blutungen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, anhaltende Krampfanfälle, Vergiftungen, Hitzschlag, schweres Trauma oder ein schmerzhafter aufgetriebener Bauch mit erfolglosem Würgen.[1]
Ersteinschätzung
Bei einer akuten Notlage stehen lebensbedrohliche Probleme im Vordergrund. In der tiermedizinischen Triage werden insbesondere schwere Blutung, Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischer Zustand und weitere Verletzungen beurteilt. Für Laien ist entscheidend, schwere Auffälligkeiten zu erkennen und den Transport beziehungsweise die tierärztliche Anleitung nicht durch lange Selbstuntersuchungen zu verzögern.
Schock
Schock bedeutet unzureichende Gewebeperfusion und kann unterschiedliche Ursachen haben. Mögliche Zeichen sind veränderte Schleimhautfarbe, schwache Pulse, verlängerte kapilläre Rückfüllzeit, veränderte Herzfrequenz, Unterkühlung und Bewusstseinsveränderungen. Das Erscheinungsbild verändert sich je nach Schockart und Stadium; ein starres Schema wie „immer schnelle Herzfrequenz und blasse Schleimhäute“ ist deshalb unzuverlässig.[1]
Maßnahmen außerhalb der Klinik beschränken sich auf Eigensicherheit, Kontrolle offensichtlicher Blutungen, Schutz vor weiterer Auskühlung beziehungsweise Überhitzung, möglichst schonenden Transport und sofortigen tierärztlichen Kontakt.
Herz-Kreislauf-Stillstand und CPR
Die RECOVER-Leitlinien 2024 empfehlen bei Hunden und Katzen 100–120 Thoraxkompressionen pro Minute. Kompressionspunkt und Technik hängen von Körpergröße und Brustkorbform ab; in Seitenlage wird eine Kompressionstiefe von etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Brustkorbbreite empfohlen. Die Leitlinien priorisieren bei nicht intubierten Patienten eine dicht sitzende Beutel-Masken-Beatmung gegenüber Mund-zu-Nase-Beatmung, wenn entsprechende Ausrüstung vorhanden ist.[2]
Eine kurze Wiki-Anleitung ersetzt keinen praktischen CPR-Kurs.
Weitere akute Notfälle
- Vergiftung: Produkt/Verpackung oder Pflanzenreste sichern und sofort tierärztlich Rücksprache halten; Erbrechen nicht ohne Anweisung auslösen.
- Hitzschlag: als Notfall behandeln und unmittelbar tierärztliche Hilfe organisieren.
- Augenverletzung: wegen möglicher bleibender Schäden rasch untersuchen lassen.
- Aufgetriebener Bauch mit erfolglosem Würgen: möglicher Magendrehungs-/Magenüberdehnungskomplex; sofortige Klinikvorstellung.
- Fremdkörper im Rachen: nur entfernen, wenn er sicher erreichbar ist und dadurch keine weitere Verletzung oder ein tieferes Vorschieben droht.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Merck Veterinary Manual: Evaluation and Initial Treatment of Dog and Cat Emergencies sowie Initial Triage and Resuscitation of Small Animal Emergency Patients, reviewed/updated 2025–2026.
- ↑ Burkitt-Creedon JM et al.: 2024 RECOVER Guidelines: Updated treatment recommendations for CPR in dogs and cats. J Vet Emerg Crit Care. 2024;34(Suppl 1):104–123. doi:10.1111/vec.13391.
