Operante Konditionierung
Die operante Konditionierung beschreibt Lernen über die Konsequenzen von Verhalten. Verändert eine Konsequenz die zukünftige Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens, liegt eine Verstärkungs- oder Bestrafungsbeziehung vor. Das Verfahren ist ein Grundbestandteil moderner Lernpsychologie und vieler Hundetrainingsmethoden.
Grundprinzip
Vereinfacht wird betrachtet:
- Situation / vorausgehende Bedingungen → Verhalten → Konsequenz
Diese Beziehung wird häufig als Drei-Term-Kontingenz beschrieben. Vorausgehende Bedingungen können anzeigen, wann ein Verhalten wahrscheinlich zu einer bestimmten Konsequenz führt. Sie „lösen“ operantes Verhalten nicht zwingend reflexartig aus.
Die ABC-Analyse nutzt eine verwandte Struktur, um Antezedenzien, beobachtbares Verhalten und Konsequenzen systematisch zu beschreiben.
Verstärkung
Verstärkung bedeutet, dass ein Verhalten künftig wahrscheinlicher wird.
- Positive Verstärkung: Etwas wird hinzugefügt.
- Negative Verstärkung: Etwas Aversives wird reduziert oder beendet.
Ob etwas verstärkt, wird an der Verhaltensänderung erkannt – nicht an der Absicht des Trainers.
Bestrafung
Bestrafung bedeutet in der operanten Terminologie, dass ein Verhalten künftig seltener wird.
- Positive Bestrafung: Etwas wird hinzugefügt.
- Negative Bestrafung: Etwas wird entfernt.
Auch hier sind „positiv“ und „negativ“ mathematisch-funktionale Bezeichnungen für Hinzufügen und Entfernen.
Bestrafung kann Verhalten unterdrücken, baut aber nicht automatisch ein geeignetes Alternativverhalten auf. Bei aversiven Verfahren müssen mögliche Wohlfahrts- und Sicherheitsfolgen berücksichtigt werden. Bei Familienhunden wurden aversiv geprägte Trainingsmethoden mit ungünstigeren Verhaltens- und Stressindikatoren in Verbindung gebracht.[1]
Diskriminative Reize und Signalkontrolle
Ein diskriminativer Reiz zeigt aufgrund der bisherigen Lerngeschichte an, dass ein bestimmtes Verhalten unter den aktuellen Bedingungen wahrscheinlich verstärkt wird. Das ist für den Aufbau von Signalen wichtig.
Beispiel:
- Das Wortsignal „Sitz“ wird unter bestimmten Bedingungen gegeben.
- Der Hund setzt sich.
- Eine passende Konsequenz folgt.
- Über Wiederholungen kann das Verhalten unter diesem Signal wahrscheinlicher werden.
Shaping und Verhaltenserwerb
Beim Shaping werden schrittweise Annäherungen an ein Zielverhalten verstärkt. Weitere Verfahren sind Einfangen spontan gezeigten Verhaltens, Locken mit anschließendem Ausschleichen der Hilfe und Targettraining.
Operante Konditionierung sagt nicht vor, welches konkrete Trainingsverfahren ethisch oder praktisch gewählt werden muss. Sie beschreibt die funktionalen Lernbeziehungen.
Extinktion
Bei operanter Extinktion führt ein zuvor verstärktes Verhalten nicht mehr zu der Konsequenz, die es aufrechterhalten hat. Das Verhalten kann abnehmen, aber auch vorübergehend variabler oder intensiver werden und später wieder auftreten.
Operantes und klassisches Lernen greifen ineinander
Klassische Konditionierung und operante Konditionierung lassen sich im Alltag nicht sauber voneinander isolieren. Während ein Hund operant lernt, dass ein Verhalten Futter verfügbar macht, können gleichzeitig emotionale und physiologische Reaktionen auf Ort, Person, Signal oder Situation klassisch konditioniert werden.
Bedeutung für Hundetraining
Operante Analyse hilft insbesondere bei Fragen wie:
- Welche Konsequenz hält ein Verhalten aufrecht?
- Unter welchen Bedingungen tritt es auf?
- Welche Alternative kann verstärkt werden?
- Welche unbeabsichtigten Konsequenzen verstärken ein Problemverhalten?
- Ist die gewünschte Reaktion tatsächlich unter Signalkontrolle?
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Vieira de Castro AC et al. (2020): Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE 15:e0225023. PMID 33326450. doi:10.1371/journal.pone.0225023.
