Flooding: Unterschied zwischen den Versionen

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== Flooding (Reizüberflutung) ==
'''Flooding''' beziehungsweise Reizüberflutung bezeichnet eine intensive oder anhaltende Konfrontation mit einem angstauslösenden Reiz, ohne die graduelle Dosierung systematischer Desensibilisierung. Im Hundetraining ist das Verfahren mit erheblichen Risiken verbunden.


'''Flooding''' (deutsch: '''Reizüberflutung''') ist eine konfrontative Verhaltenstechnik, bei der ein Hund einem stark angstauslösenden [[Reiz]] '''ungefiltert und überdauernd ausgesetzt''' wird – in der Hoffnung, dass die Angstreaktion durch Gewöhnung (Habituation) nachlässt.
== Risiken ==
Wird ein Hund oberhalb seiner Bewältigungsfähigkeit konfrontiert, kann Angst zunehmen, Flucht- oder Abwehrverhalten auftreten und Lernen über Sicherheit erschwert werden. Ausbleibende sichtbare Reaktion kann auch Erstarren oder Verhaltensunterdrückung bedeuten und ist nicht automatisch Habituation.


=== Prinzip ===
== Abgrenzung ==
Der Hund wird dem angstauslösenden Stimulus in voller Intensität ausgesetzt, ohne Möglichkeit zur Flucht oder [[Vermeidung]]. Ziel ist, dass der Hund „lernt“, dass nichts passiert – die Reaktion soll durch Erschöpfung oder Gewöhnung verschwinden.
Bei systematischer Desensibilisierung wird die Reizintensität so niedrig begonnen, dass der Hund handlungsfähig bleibt, und erst schrittweise erhöht. Gegenkonditionierung koppelt den Reiz zusätzlich mit einer neuen positiven Konsequenz.


=== Beispiel ===
== Praxis ==
Ein Hund hat [[Angst]] vor dem Staubsauger. Beim Flooding würde man ihn [[anleinen]] und den Staubsauger direkt und dauerhaft laufen lassen, ohne Rückzugsmöglichkeit. Nach längerer Dauer könnte die Reaktion nachlassen – oder sich stark verschlechtern.
Für Furcht- und Angstprobleme werden kontrollierbare, graduelle Verfahren bevorzugt. Eine absichtliche Reizüberflutung sollte nicht als Standardmethode eingesetzt werden.


=== Risiken ===
== Quellen ==
* '''Erhöhte Stressbelastung'''
* [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29395299/ Poggiagliolmi & Overall (2018): Desensitization and Counterconditioning: When and How?]
* '''Gefahr von erlernter [[Hilflosigkeit]]'''
* [https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7826566/ Riemer (2021): Effectiveness of treatments for fear and aggression in dogs.]
* '''Zunahme von Angst oder Aggression'''
* '''Tierschutzrelevante Grenzüberschreitung'''


=== Tierschutzrelevanz ===
== Siehe auch ==
Gemäß [[Tierschutzgesetz]] (§1 und §3) ist Flooding in der Praxis nur in Ausnahmefällen vertretbar. Es widerspricht dem Grundsatz, dem Tier keine unnötigen Leiden oder Schäden zuzufügen. In modernen Trainingsansätzen gilt Flooding als veraltet und tierschutzkritisch.
 
=== Alternative Methoden ===
* [[Systematische Desensibilisierung]] – schrittweise, kontrollierte Annäherung an den Reiz
* [[Gegenkonditionierung]] – Verknüpfung des Reizes mit positiven Erfahrungen
* [[Habituation]] unter freiwilligen Bedingungen
 
=== Anwendungshinweis ===
Flooding sollte '''niemals ohne fachliche Qualifikation''' angewendet werden. In der modernen Verhaltenstherapie wird es '''nicht empfohlen'''.
 
=== Siehe auch ===
* [[Desensibilisierung]]
* [[Desensibilisierung]]
* [[Gegenkonditionierung]]
* [[Gegenkonditionierung]]
* [[Habituation]]
* [[Angst]]
* [[Angstverhalten beim Hund]]
 
* [[Lerntheorie]]
[[Kategorie:Lernen & Training]]
* [[Tierschutzgesetz]]
[[Kategorie:Verhaltensmodifikation]]

Version vom 16. August 2026, 16:54 Uhr

Flooding beziehungsweise Reizüberflutung bezeichnet eine intensive oder anhaltende Konfrontation mit einem angstauslösenden Reiz, ohne die graduelle Dosierung systematischer Desensibilisierung. Im Hundetraining ist das Verfahren mit erheblichen Risiken verbunden.

Risiken

Wird ein Hund oberhalb seiner Bewältigungsfähigkeit konfrontiert, kann Angst zunehmen, Flucht- oder Abwehrverhalten auftreten und Lernen über Sicherheit erschwert werden. Ausbleibende sichtbare Reaktion kann auch Erstarren oder Verhaltensunterdrückung bedeuten und ist nicht automatisch Habituation.

Abgrenzung

Bei systematischer Desensibilisierung wird die Reizintensität so niedrig begonnen, dass der Hund handlungsfähig bleibt, und erst schrittweise erhöht. Gegenkonditionierung koppelt den Reiz zusätzlich mit einer neuen positiven Konsequenz.

Praxis

Für Furcht- und Angstprobleme werden kontrollierbare, graduelle Verfahren bevorzugt. Eine absichtliche Reizüberflutung sollte nicht als Standardmethode eingesetzt werden.

Quellen

Siehe auch