Lernen unter Erregung und Frustration: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Negative Verstärkung ===
=== Negative Verstärkung ===


[[Negative Verstärkung]] bedeutet:
Negative Verstärkung bedeutet: Ein aversiver Reiz wird nach einem Verhalten reduziert oder beendet und dadurch wird das Verhalten wahrscheinlicher. „Negativ“ bedeutet hier Entfernung, nicht moralische Bewertung.
 
:'''Ein aversiver Reiz wird nach einem Verhalten reduziert oder beendet und dadurch wird das Verhalten wahrscheinlicher.'''
 
„Negativ“ bedeutet hier Entfernung, nicht moralische Bewertung.


''Ausführlich:'' [[Negative Verstärkung]]
=== Erwartungslernen ===
=== Erwartungslernen ===



Aktuelle Version vom 17. August 2026, 12:36 Uhr

Lernen unter Erregung und Frustration beschreibt Lernprozesse in Situationen mit erhöhter Aktivierung oder blockierten Erwartungen. Der Artikel ordnet Verstärkung, Erwartungslernen, Extinktion, Shaping, Gegenkonditionierung und systematische Desensibilisierung für diesen Kontext ein.

Lernen unter Erregung und Frustration

Lernen findet ständig statt

Auch problematische Situationen sind Lerngelegenheiten.

Wenn beispielsweise starkes Ziehen regelmäßig irgendwann zum gewünschten Sozialkontakt führt, kann Ziehen verstärkt werden.

Verstärkung

Ein Verhalten wird verstärkt, wenn seine zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit aufgrund seiner Konsequenzen zunimmt.

Positive Verstärkung

Positive Verstärkung bedeutet:

Ein angenehmer beziehungsweise funktional verstärkender Reiz wird nach einem Verhalten hinzugefügt.

Negative Verstärkung

Negative Verstärkung bedeutet: Ein aversiver Reiz wird nach einem Verhalten reduziert oder beendet und dadurch wird das Verhalten wahrscheinlicher. „Negativ“ bedeutet hier Entfernung, nicht moralische Bewertung.

Ausführlich: Negative Verstärkung

Erwartungslernen

Verstärkung erzeugt nicht nur Verhalten, sondern auch Vorhersagbarkeit.

Dadurch kann sehr starre Verstärkerplanung starke Erwartungen erzeugen.

Extinktion

Bei Extinktion tritt ein zuvor verstärktes Ergebnis nicht mehr ein.

Das Verhalten kann zunächst:

  • intensiver,
  • häufiger,
  • variabler

werden.

Es ist deshalb falsch anzunehmen, das reine Ausbleiben von Verstärkung sei emotional neutral.

Shaping

Shaping bezeichnet die Verstärkung schrittweiser Annäherungen an ein Zielverhalten.

Bei Selbstregulation können dies beispielsweise sein:

  1. kurze Blicklösung;
  2. längere Blicklösung;
  3. Kopfabwenden;
  4. Körperabwenden;
  5. Distanznahme;
  6. alternative Beschäftigung.

Gegenkonditionierung

Bei Gegenkonditionierung wird die Bedeutung eines Reizes durch neue Lernerfahrungen verändert.

Sie sollte von operanter Impulskontrolle unterschieden werden.

Ein Hund kann lernen:

Reiz → positives Ereignis

ohne dass zunächst eine längere Inhibitionsleistung verlangt wird.

Systematische Desensibilisierung

Desensibilisierung bedeutet kontrollierte Reizexposition mit einer Intensität, die eine erfolgreiche Verarbeitung ermöglicht.

Die Intensität wird schrittweise verändert.

Desensibilisierung und Gegenkonditionierung

Beide Verfahren werden häufig kombiniert. Ein systematisches Review von 2024 identifizierte 12 peer-reviewte Arbeiten und zwei Dissertationen zu gegenkonditionierungsbasierten Interventionen beim Haushund. Die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien berichtete positive Ergebnisse, unter anderem bei unerwünschtem Verhalten im Zwingerkontext sowie bei aggressivem Verhalten gegenüber Hunden oder Besuchern. Gleichzeitig waren Definitionen und konkrete Durchführung der Gegenkonditionierung heterogen; kleine Stichproben und häufige Expertenimplementierung begrenzen die Generalisierbarkeit.[1]

Dabei wird:

  • die Reizintensität kontrolliert
  • und gleichzeitig eine neue emotionale beziehungsweise funktionale Assoziation aufgebaut.

Lernen unterhalb hoher Eskalation

Ein sinnvolles Trainingsniveau liegt typischerweise dort, wo:

  • Verhalten noch variabel ist;
  • Futter beziehungsweise andere Verstärker funktional bleiben;
  • Reorientierung möglich ist;
  • keine anhaltende Eskalation auftritt.

Dies ist präziser als die populäre Vorstellung einer starren, universellen „Schwelle“.

  1. Joanna Shnookal, Deanna Tepper, Tiffani Howell, Pauleen Bennett (2024): Counterconditioning-based interventions for companion dog behavioural modification: A systematic review. Applied Animal Behaviour Science 276:106305. doi:10.1016/j.applanim.2024.106305